Janus

Janus I (Eros)

der eine
schreibt
der andere
schreibt
seinen Atem auf den Spiegel,
Pulsschlag;
der eine
schreibt
Doppelkopf,
der andere
schreibt
Zweigesicht;
atmen
schreiben
Spiegelkopf;
unbekanntes
Antlitz, Geisel
im Rücken
des anderen;
bleibt: befühlen.

Janus II (Thanatos)

und Doppelkopf und
Spiegelkopf
sind eins sind zwei
schreiende Gesichter
Wut Wut entstellt
im Rhythmus zwei vier zehnköpfige Hydra
Schreiben Worthydranten
we as fountains
ertrunken ertrinken
vielstimmige Fontänen
Geschrei der Meere
Janus in in Social Media
Kopf Köpfe wachsen im Korb der Guillotine
Spiegelatem
schrei Zweigesicht schreit
Social Fasces
aus dem Tiefschlaf schlaf
Vernunft geboren freeze
Fries entstellter Fratzen
aufgepflanzt auf geh
in Geiselhaft in
Selbstbetrug
Doppelschatten;
bleibt: bewachen.

Shallow Shadow

flacher Schatten,
dann Faden, dann
Strich, dann

über dem Tellerrand
dreht als Sonnenuhr der Kopf
bald Kreis
bald Ellipse
bald Strich

Speichelfäden
Wasserflöhe Teichlinsen;
dein Name am Tellerboden
Erinnerungen von Schlingpflanzen
Hand in Hand – 
Abspann

herunter zählen
entlang der Augenspur:
ohne Messer
ohne Gabel
ohne Löffel
auch ohne Strohhalm

zur Feier des Tages: Lippenstift
feuchter Glanz
die Zungenspitze,
darüber blitzen
aufgetakelt deine Augen:
Wir segeln aus, rufst du,
wir segeln aus!

flacher Teich
flacher Faden
flacher Strich
keine Hand unterm Kiel

losgelassen
voller Sanftmut,
flache Sonnenuhr
versunken über den Rand,
der ausgetrocknete Teller,
der gerissene Faden

die Welt fällt in den
Strich, in ihr
Glück

flüchtiger Schatten,
Faden schmunzelnder Dunkelheit
auf dem du balancierst,
Tänzer, geliebter Tänzer!

Wald als Uhr

atmet blödelt boxt bricht brummelt fächelt fegt fetzt feuert flattert fliegt flüstert frischt gräbt hackt hüstelt krakeelt kühlt lacht lauscht luschert lüstet pflügt raunt rauscht reitet rennt rumort sägt säuselt schabt schleicht schmust schneidet schwächelt schwingt singt speit sprengt springt stillt stolpert streichelt streicht stürmt stürzt tanzt weht zärtelt zwitschert
der Wind durch den Wald.

Gehört so ein Gezeitenwald zu dem
was gewesen ist oder zu dem
was noch kommen wird?
Ist er beide Zeiten,
drei, vier?
Gehört der Wald zu unterschiedlichen
Realitäten? Ist er beide Realitäten,
drei, vier?

Wie der Wind schleicht die Angst durch den Wald, nein, weht die Hoffnung, nein, die Stimmen der Äste und Blätter singen,
im Chor feuriger Nadelzweige.

Von Hoffnung und Hoffnungslosigkeit speisen die
Gezeiten.

Mythische Vergangenheit

Unter Vögelstrichen, schwarzen Faltern,
zwischen Orangenbäumen und Callas Schoß
eine weiße Kammer, geflochten.

Die Morgensonne strahlt von rohen Wänden,
ein Handwerker krümmt sich unter Werkzeugen,
Verliebte zwitschern auf Treppenstufen,
schlafende Gassen voll gläserner Kiesel.

Auch das Balzen der Jungen vollzieht sich
unter strengen Blicken knochiger Katzen,
wandelnde Schatten, aufgelöst im dunklen Samt,
ein keifender Schrei.

Fleissige Glockenschläge versenken die Zeit
zu gebogenen Scherben, Krüge voller Münzen,
himmlische Zahlungsmittel, raunend springen auf
die Motoren, zertretene Spinnfäden.