BLANK PLAYS DUDEN

Blank Plays Duden © Christoph Korn, Oliver Augst, Rüdiger Carl, Martin Kreyssig 2006

BLANK PLAYS DUDEN (DVD) 2006, DVD published by revolver and textxtnd, ISBN 3-86588-246-3

Oliver Augst, Rüdiger Carl, Christoph Korn, Martin Kreyssig, Cover Art by Tobias Rehberger, Günter Förg (1952-2013)

Blank Plays Duden / Rüdiger Carl, Oliver Augst, Christoph Korn, Screenshot © Blank Plays Duden und Martin Kreyssig 2006

Rüdiger Carl is one of the most important personalities who has come out of European free jazz. The artists Oliver Augst and Christoph Korn, a generation younger, work in a conflicting field of improvisation, installation, electronics and theory. Theory and noise sit together here “as exactly as a tailor-made suit” says the German music magazine Spex. Oliver Augst, Rüdiger Carl and Christoph Korn have appeared as “blank” in the last few years presenting various projects and releases. Their newest project DUDEN takes “collection” as its starting point. Oliver Augst, Rüdiger Carl and Christoph Korn have sifted through their current recordings and publications in the last few years, deconstructed them quasi-microscopically and compiled countless humorous and colorful mnemonic fragments.
These snippets are pressed as so-called “locked grooves” into the vinyl. On a “locked grooves” record, the music grooves form self-contained circles which keeps the ton arm “locked” in a turnaround – a loop that lasts exactly 1.8 seconds. Over 200 of these loops make up the musical material of DUDEN.

Aufgeführt im Museo d’Arte Contemporenaea in Lissone, Italien vom 23.09. – 19.11.2017

Blank Plays Duden / Rüdiger Carl, Oliver Augst, Christoph Korn, Screenshot © Blank Plays Duden und Martin Kreyssig 2006
Blank Plays Duden / Rüdiger Carl, Oliver Augst, Christoph Korn, Screenshot © Blank Plays Duden und Martin Kreyssig 2006
Blank Plays Duden / Rüdiger Carl, Oliver Augst, Christoph Korn, Screenshot © Blank Plays Duden und Martin Kreyssig 2006
Blank Plays Duden / Rüdiger Carl, Oliver Augst, Christoph Korn, Screenshot © Blank Plays Duden und Martin Kreyssig 2006
Blank Plays Duden / Rüdiger Carl, Oliver Augst, Christoph Korn, Screenshot © Blank Plays Duden und Martin Kreyssig 2006

Remix mit Fanny und Felix

Remix mit Fanny und Felix, Videoinstallation (4-split) © Viola Kiefner 2002

Remix mit Fanny und Felix, 4-Kanal-Videoinstallation von Viola Kiefner, 2002.
Birthe Bendixen (Gesang), Matthias Brommann (Violine), Martin Kreyssig (Kamera), Stephen Nicolai (Ton), Lothar Werthschulte (Postproduktion), Viola Kiefner (Konzept und Regie).

Gefördert u.a. durch die Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg.

Die aus vier wandfüllenden Projektionen bestehende Video-Installation, welche im Westwerk (Hamburg) 2002 zu sehen war, zeigt eine visuelle und musikalisch-akustische Erweiterung im Hamburger Straßenverkehr.
Als Drehort und Hauptakteure in einem fungieren zwei 1997 errichtete Gedenksteine für die Komponisten-Geschwister Fanny Hensel (1805-1847), geborene Mendelssohn, und Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) – direkt an der sechsspurigen Ludwig-Erhard-Straße und in der Nähe des heute nicht mehr existierenden Geburtshauses gelegen.
In Augenhöhe sind Noten in die anthrazitfarbenen, mit Bäumen umrahmten Steine gemeißelt, eine dazugehörende Sitzbank lädt Passanten ein, sich in Ruhe die »Noten in Stein« anzusehen und mit dem dahinter vorbeiziehenden Verkehrsfluss akustisch zu verbinden.
In der Video-Installation wird dieser Denkmal-Standort mit seinem akustischen Umfeld durch zwei Musiker erweitert, die – vor den Steinen positioniert – den Liedanfang des »Schwanenliedes« von Fanny Hensel und die ersten Noten des Violin-Konzertes in E-Moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy simultan interpretieren. Ihre Wiederholungen als musikalische Schleife kontrastieren mit der Lärmkulisse einer der meist befahrenen Strasse Hamburgs.

Zeitgenössischer »monumentaler« Ort und Theater-Denkmalpflege
In öffentlichen Stadt-Räumen sollen – zur Imagepflege und als Gedächtnisstütze zur nationalen Identifikation – an große Persönlichkeiten des deutschen Kulturlebens vergangener Jahrhunderte erinnern. Wie in vielen anderen Fällen führt auch hier ein biographischer Anhaltspunkt zur Entscheidung für den Standort der Gedenksteine.
Mag die Positionierung des Denkmals mit dem vermutlich nicht berücksichtigten Aufeinandertreffen dieser beiden akustischen Quellen – wenn auch wie hier in notierter Form – zuerst absurd erscheinen, so entspricht es jedoch einer zeitgemäßen Realität wechselseitiger Überlagerung von Tönen und Bildern, welche sich oft gegenseitig nivellieren.
In puncto städtebaulicher Ausführung oder ästhetischer Relation wurden – wie auch in diesem Stadtviertel – ehemals zerstörte Häuser, welche ursprünglich in einer ganz anderen Straße standen, in den 70er Jahren als Rekonstruktion an einem für das Stadtimage attraktiveren Standort wiederaufgebaut.

Remix mit Fanny und Felix, Birthe Bendixen (Gesang) © Viola Kiefner 2002
Remix mit Fanny und Felix, Matthias Brommann (Violine) © Viola Kiefner 2002

Verwandte Begegnung

Mit Blick nach Süden,
kalter Wind auf halber Nase,
treff ich dich, Schönheit, am Wegesrand:
Gebüsch im Schnee.
Kennen wir uns nicht, blattloser Torso,
aus andrer Bilderlandschaft,
weiss papierne Kataloge?

Ruine und Gebein, eisige Stätte,
Denkmal steinernen Winterfriedens,
abgelegte Streifen Schnee,
erstarrtes Gefieder, Restgewirre:
Nackt vorm Grau zeigen spitz deine
stocksteifen Äste zum blauen Fleck,
dürre Finger schlanken Gitterwerks
gieren sehnsuchtsvoll nach Licht.

Geblendet von Schneedaunen, ein
Trugbild in Begehung, Wind
und Frost und trübes Nass,
Hoffnung auf Frühling – Wärme,
ein Bild bloß im Schwelgen verblättert,
steht ein Gebüsch im Schnee.

Gebüsch im Schnee, 1827/28, Caspar David Friedrich (1774-1840), Gemäldegalerie Dresden © Wikipedia

Gebüsch im Schnee © Martin Kreyssig 2026

Portrait

deine Mutter auf der Fotografie betrachte
ich wie eine Fremde nur
du kanntest sie in diesem Alter
ich sehe dich wie
du sie betrachtest sie kennst wie
ich sie nicht kannte ich betrachte
deine Mutter wie du
dich erinnerst wie ich
sie nicht erinnere es ist
dein Portrait von deiner Mutter
du hast sie angeschaut für
sie Abzug und Rahmen gewählt
ihr seid weit entfernt wie ihr
euch anschaut ernst und
beide innerlich lächelnd
fällt nach dem Auslöser die Spannung

Melancholie

Kurz lag die Stadt in
Feinstes Weiss gekleidet,
Geschmückt geschminkt
Verwandelt in Stille
Verflogen das Gestern
Die Zeit nie gesehen.

Schon schiessen Tropfen
Höhlen, zerren Schwarz und
Grau, den Stein ans Licht.
Hart dein Gesicht und
müde, schwätz doch vom
Gestern, Dreck und
Dreck again.

Die Sanftheit verflogen
Verschwunden auch
Der Schönheit Zauber, frisches Neu.
Zwei Tage stand verhaltene Hoffnung
Schlange, riss sich Erinnerungen
Aus. Heut regnet das alte Lied,
das Alte.