Überschrift

braucht Ausruf- und
Fragezeichen,
braucht Anfang und
Ende, Hand und Fuss,
braucht Pausen, ein Dazwischen,
braucht Herzblut und
Verstand,
braucht ein Gewissen,
braucht Überschrift und
Unterschrift,
braucht Brüche, Brücken,
Zwischengänge.

Augenblicke der Erstarrung

Das Fertige zerfällt
auf ewig
ins Unfertige,
zerfällt
in Perspektiven aus Zeit,
zerfällt in Glanz und Hoffnung,
Stolz und Gier,
zerfällt
in Augenblicke der Estarrung.

Filmtalk

Wo ist die Verbindung?
It‘s green!
Zwosch.
W-o-i-s-t-d-i-e-V-e-r-b-i-n-d-u-n-g?
Green, it‘s green!!
Das Gute triumphiert nicht immer.
Ich bin nicht hier.
Zack. Klirr. Wuack.
Es endet, wenn wir gewonnen haben.
Auf der Schneide des Rasiermessers entlang, und überleben.
Manchmal überwältigen die Kräfte der Finsternis.
Sie müssen sich entscheiden.
In diesem Krieg verwirren sich ein wenig die Dinge.
Jeder Mensch hat seinen Zerreißpunkt.
Geben sie sich diesem Programm hin.
Zisch. Zonk. Abspann.

»Na ja, du denkst, die leben noch, doch nur der Tisch wackelt.«

Sie sitzen in Reihen,
bilden ein Muster, der Monolog
eine Beschimpfung,
das Gezeigte ein Film, der
Klang des Quartetts verhallt
ungehört, ungesehen, ungesagt.

Leer Reihe sieben, die Ränge,
leer der Saal, leer die Vorhänge.
Der Applaus, das beschimpfte
Publikum, stumm zu seiner Beschimpfung, starr das Gehörte,
unerhört das Gesagte, unerkannt das Gezeigte, applaudiert nicht,
die Dunkelheit des Saals bleibt dunkel.
Kein Licht nach der Vorstellung,
kein Laut nach der Vorstellung,
keine Bewegung, kein Zittern,
kein Blick zur Bühne.

Schlecht gesehen, schlecht gesagt, schlecht gezeigt, schlecht gespielt.
Ohne Vordergrund, ohne Hintergrund, bodenlos, Sturz
Schrei, Akrobatik, Kampf, Blut und Spiel, die Arena unbeleuchtet, schwarz, leer die Ränge.
Es wird nicht gespielt, nicht gelacht.

Ohne Beschimpfung, ohne Beckett, ohne Bild, ohne Klang.
Keine Reaktion, kein Echo, keine Zeugenschaft.
Nichts gezeigt, nichts gesagt, nichts gespielt.
Ungezeigt ist das Gezeigte ohne Existenz, ungehört das Gesagte ungeschrieben.
Unerhört das Gebet.

Jetzt geht das Licht aus, die Zeit drängt:
Empore, Empörung.
Raum der Feigheit.
Implosion ohne Spuren.
Staubworte, Staubklänge, Staub der Stimmen und Hände.

Jetzt geht das Licht aus,
das Spiel beginnt.

Vor Morgengrauen

Eine Loseblattsammlung

Glück der Erddrehung

Schlaf und Frieden
träumen des Nachts
das Glück der Erddrehung:
schwarze Blicke.

Hundszunge

Wer bin ich?
Hundszunge,
schwimmendes Tuch,
schwebender Schatten?
Wer?
Im Maul der schlafende Fisch.
Die Worte liegen auf Grund.
Wer bin ich?

Leibesübungen

Heute
stehen in vorderster Linie
die Toten von morgen,
usw.

Plastik

Im Ball
aufgepumpt
Étienne-Louis Boullée
aus Nichts
klebriges Plastik am Knochen
im Kopf innen
im Ball im Kopf
aufgepumpt
ein Sternenmeer
im Planetarium
kugelförmige Leinwand
aus klebrigem Plastik
Ball im Kopf
bis an die Ohren
an die Augen
am Hinterkopf
sämtliche Aus- und Einlässe
verklebt mit dem Boullée’schen
Modell eines sprechenden Balls
drückt der Sternenwind
die Leere im Inneren ein Sturm
aus Licht ein Rauschen
Zypressen unter dem Lichtermeer
Noise aus All
Gepumpter Ball
im Kopf das Kenotaph
Druck aus weißem Sternenlicht im schwarzen Lochkopf im Kopf
projiziert Boullée den Sternentanz
im Dunklen das Helle
Guillotine im Lichtkopf
im Ball
im Kopf
im Schwarz
im Rauschen
All Ball Kopf
Knall

Tagesfrucht

Die Tagesfrucht fällt
von Woche zu Woche früher
zu Boden;
von Furcht geerntet
schnellt die samtene Nachtstunde
in schwarze Traumhöhen;
Tor, Klippe, Vorhang,
Modell der Gier.

Rezept

Halbgar in Bettsoße,
betrachte ich die Traumeinträge
der Nacht: Nichts dabei heute.