
Fensterplatz


Autor und Filmregisseur
Diese Kategorie versammelt Gedichte von Martin Kreyssig.

Fieberromane verschlingen
autobiografische
Karrieren Lebenswege
more fiction than fact
die unwiderrufliche Abwesenheit
des Dargestellten, der Körper
frische Fassaden.
entkernt verstört
aufgelöst im
fernen Sein
kein Anzug passt zur Haut
nur Du, Lebenskostüm
Schreibekunst.
Hirnschauerlektüren
Handlungsanweisungen
Verhaltensanleitungen
rhetorische Rezepturen
scala paradisi
Rutschbahn verweht
few happy few.
Springlebendiges nicht
nur tropfender Wasserhahn
Stimmung N: Zerbrochenes Glas.
ein fremdes Rückgrat
trägt dein Fleisch nicht:
Häutungen.
Will ich einen Kreis soll
er nicht auch rund sein?
Gesang der Waldgöttin
Gesang ohne Verben
Kathedrale aus Nadeln
kein „Übermaß von Himmel“ RMRilke
Wirbel aufgleitender Greifvögel
träumender Wald – Durchstreichung –
Nervenverästelung oberer Ereignisbaum
Wunder der Steinkrönung unter Nassvorhang
Rauheit – hier Doppelbelichtung –
Schattenflug Engführung Vertikalversatz
Horizont mit Ifenklinge
Nassstufen Gegend Bodennebel
Reifenknistern Geplapper der Hüpfvögel
Trittsiegel im Ziehweg
Wasserflüstern – Durchstreichung –
wetteifernder Motorsägen Nachdenklichkeit
auch auf dem Rückweg Wiederholung
ein Wald, der Fiction liebt, Wald zu sein
ganz und gar eifrig – verausgabt sich –
träum doch
Lala Friedfertig
Haltestelle Schwellenreich, zuvor:
fließt auf rostigem Samt
Traum gespitzter Mund
Hände Lippen dunkelrot, zuvor:
nässende Zeitenwunde
Engels am Kranhaken
Hauptstadt’s Strömung
geschnittenen Steins, zuvor:
einatmen Gestank
ausatmen Gestank plusplus,
im Brückenschatten
eine wartende Zukunft
Mit Blick nach Süden,
kalter Wind auf halber Nase,
treff ich dich, Schönheit, am Wegesrand:
Gebüsch im Schnee.
Kennen wir uns nicht, blattloser Torso,
aus andrer Bilderlandschaft,
weiss papierne Kataloge?
Ruine und Gebein, eisige Stätte,
Denkmal steinernen Winterfriedens,
abgelegte Streifen Schnee,
erstarrtes Gefieder, Restgewirre:
Nackt vorm Grau zeigen spitz deine
stocksteifen Äste zum blauen Fleck,
dürre Finger schlanken Gitterwerks
gieren sehnsuchtsvoll nach Licht.
Geblendet von Schneedaunen, ein
Trugbild in Begehung, Wind
und Frost und trübes Nass,
Hoffnung auf Frühling – Wärme,
ein Bild bloß im Schwelgen verblättert,
steht ein Gebüsch im Schnee.

