Im Park

Wolkenkarte (c) 2015 M. Kreyßig Wolkenkarte (c) 2015 M. Kreyßig

Die Arbeit an dem Text „Im Park – Begleitheft zur einem Unterhaltungsprogramm“ ist abgeschlossen.

 

„Zuerst muss man fähig sein zu bewundern.“ Gilles Deleuze

 

Einige Stücke daraus:

 

Die Welt im Park erscheint dem kritischen Betrachter mal als Klinik, mal als Bergwerk, wie man es aus Museen kennt, mal als Galerie, manchmal wie ein Paradies. Nicht selten, und die Begriffe fallen mit den Eindrücken zusammen.

 

EVER NEVER. Langsamer Monolog aus zwei Worten, in deutscher Diktion gesprochen, zu Beginn normal schnell, die Worte getrennt, dann zunehmend zu einem Wort verschmelzend, im letzte Schritt nur noch die E-Laute vernehmbar, das Knochengerüst der Konsonanten zermahlen: EEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEE.

 

Die Geographie des Parks ist Seelenkunde, Ermittlung und Anleitung.

 

An der Simon- oder Goldbergsäule lauscht man einer akustischen Installation. Hier wird in zweiunddreissig Variationen der Satz gesprochen: Wo ist der Punkt?

 

Von aussen nimmt man das viereckige und fensterlose Gebäude aus Klinkersteinen im Gelände kaum wahr. Betritt man die Möbiusschleife durch den einzigen Eingang von Norden her, steht man inmitten von vier Tempelfassaden aus griechischer Vorzeit. Nur so, die Aussenwände nach innen gestülpt, lassen sich drei monumentale Wandstücke gleichzeitig betrachten, nur so wird der Tempel zur Bühne. So liegt die Welt als heiliger Ort ausgeschlossen im Inneren, im Park.

 

Es liessen sich Liebesgeschichten, Biografien, Heldenreisen, Dramen und Abenteuer vorstellen, doch sind diese Geschichten bereits alle gespeichert. Könnten hier nicht Begegnungen, glückliche und empfindsame Momente, wahre oder unwahre Begebenheiten inszeniert werden? Wäre hier nicht der Ort, Gesichter zu sehen und Worte zu hören, deren Anmut, Härte oder Ironie den Park in seiner Wirkung zurücktreten und als Hintergrundrauschen verblassen liessen? Wäre eine Stück Leben wie ein Teil der Wirklichkeit zu entdecken, wie verhielte sich die virtuelle Wirklichkeit des Parks dazu? Und stünde hier pralles Leben wie ein nackter Schrei, wäre davon zu hören?
Der Park ist nichts, vielleicht eine Unruhe, ein Zittern.

 

Den Landkartenraum betritt man auf dessen umlaufender Galerie. Aus grosser Höhe sieht man hier auf den gemäß der Tageszeit beleuchteten Park als Ganzes im Massstab 1:1. Sich selber findet der Betrachter auf diesem Plan hingegen nicht, denn man kann nicht in den Landkartenraum hineinschauen, in dem man sich gerade befindet. Nur so lässt sich das Paradox in seiner ursprünglichen Schönheit genießen.

 

Im Echosaal lauscht man den Stimmen vergangener Jahrhundert. Das schneckenförmig gedrehte Gewölbe zeigt an seiner Kassettendecke Portraits aller an diesem Bauwerk beteiligten Handwerker. Athanasius Kircher spricht vom Bandrekorder Krapp’s Last Tape. Weltaneignung im Dialog mit Echoapparaten: Quellen sprudelnder Spiegelbilder und Totenmasken.

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