Filme in Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern, Galerien, Museen, Fernsehanstalten

»Der Hamburger Filmemacher Martin Kreyßig produziert als Kameramann, Regisseur und Autor Filme zur zeitgenössischen Kunst. Die Video- oder 16mm-Filme entstehen in enger Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen. Kunst mit filmischen Mitteln zu beobachten heißt beispielsweise eine Skulptur in Bilder zerteilen, diese unter eine eigene, festgelegte Zeit ordnen und ein akustisches Fundament (oder Firmament) hinzufügen. Nicht mehr des Betrachters Blick, sondern die einäugige Kamera “entscheidet”, was und wie lange etwas wichtig ist. In dieser neuen Konstruktion einer Ausstellung und deren “Begehung” kommt den Hörsinn eine zentraler Bedeutung zu, da er die zweidimensionale Abbildung in einen plastischen Kontext einbettet und so zu einem neuen Ort führen kann.

Diese Art kinematographischer Kunstbetrachtung existiert als kleiner Nebenstrang der deutschen Filmgeschichte bereits seit 1919. Hans Cürlis (1889-1983) hat mit seinen filmischen Atelierbesuchen bei Lovis Corinth, Max Liebermann, Otto Dix und anderen Künstlern (insg. 100 Filme bis 1933) ein Genre begründet, das durch die herausragende Videoarbeiten von Gerry Schum und Ursula Wevers fortgesetzt wurde. Anders als die eher fernsehgerechten Filme des Belgiers Jef Cornelis oder des Amerikaners Michael Blackwood, erarbeiten Cürslis und Schum gemeinsam mit dem Künstler einen Film zur Fortführung künstlerischer Intentionen.

Kreyßigs filmische Ausstellungsdokumentation von Reinhard Mucha, Harald Klingelhöller, Thomas Schütte, Richard Deacon oder Andreas Slominski vermögen Nebenwege einer Kunstbetrachtung zu beschreiten, die den direkten Kunstbesuch nicht ersetzen, sondern dem Kunstwerk eine ungewohnte Sichtweise zugesellen, die weder ein begleitender Text noch Katalogabbildungen zu leisten imstande sind.« [Sabine B. Vogel, 01.03.1997]


Filme zu Ausstellungen von Künstlerinnen und Künstlern: Nicolas A. Baginsky / Barry Schwarz, Alan Charlton, Richard Deacon, Bogomir Ecker, Peter Friedl, Olafur Gislason, Asta Gröting, Kathrin Haaßengier, Viola Kiefner, Harald Klingelhöller, Gustav Kluge, Elena Kovylina, Klaus Kumrow, Antoni Malinowski, Reinhard Mucha, Thomas Schütte, Schuldt, Andreas Slominski, Caroline von Grone, Elisabeth Wagner u. v. a

Filme im Auftrag von Museen und Galerien: Wilhelm-Busch-Museum, Karl-Hofer-Gesellschaft, Hamburger Kunsthalle, Grässlin–Collection, Galerie Bärbel Grässlin u. v. a.

Grässlin Collection, Deichtorhallen Hamburg © Familie Grässlin, Martin Kreyssig 2001

Filme zur Architektur: Mies van der Rohe, BRT Architekten, Gössler Architekten BDA, DFZ Architekten, Ulrike Brandi Licht, De Picciotto & Wittorf Architekten BDA u. v. a.

Franz Erhard Walther / Deichtorhallen Hamburg / TV-Beitrag ARTE © Martin Kreyssig 1998

Fernsehbeiträge und Kulturberichte für ARTE TV zu Einzelausstellungen: Thomas Schütte (with Richard Deacon) (Kunstverein Wolfsburg und Städtische Galerie Wolfsburg, 1996), Franz Erhard Walther (Deichtorhallen Hamburg, 1998), Tony Oursler (Kunstverein Hannover, 1998), Douglas Gordon (Kunstverein Hannover, 1998), Mariko Mori (Kunstmuseum Wolfsburg, 1999), Ingo Günther (Museum Weserburg, 1999), Luc Tuymans (Kunstmuseum Wolfsburg, 1999), Nam June Paik (Kunsthalle Bremen, 1999), Marina Abramović (Kunstverein Hannover, 2000).

Marina Abramović / Kunstverein Hannover / 2000 / TV-Beitrag ARTE / 3:00 min / Martin Kreyßig
Marina Abramović / Kunstverein Hannover / TV-Beitrag ARTE / © Martin Kreyßig 2000

Fernsehbeiträge und Kulturberichte zu Gruppenausstellungen für ARTE TV: DO ALL OCEANS HAVE WALLS? (Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen, 1998), EMOTION (Deichtorhallen Hamburg, 1998), HOCHRENAISSANCE IM VATIKAN (Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland Bonn, 1999), DAS VERSPRECHEN DER FOTOGRAFIE (Kestner Gesellschaft, Hannover, 1999), REWIND TO THE FUTURE (Bonner Kunstverein, 1999), GERMAN OPEN (Kunstmuseum Wolfsburg, 1999), WOHIN KEIN AUGE REICHT (Deichtorhallen Hamburg, 1999)

Nam June Paik / Kunsthalle Bremen / Interview Dr. Wulf Herzogenrath / TV-Beitrag ARTE © Martin Kreyssig 1999

Konzertportrait: DER GEFESSELTE / THE BOUND MAN, Peter Brötzmann / Mike Pearson, Produktion: 3sat, 1992

The Bound Man / Der Gefesselte, Mike Pearson, Peter Brötzmann © 1992 Martin Kreyssig

Film- und Zeitgeschichte (mit Hartwig Tegeler): Fernsehbeitrag zum Spielfilm STALINGRAD (D, 1993, Regie: Joseph Vilsmaier), Produktion: NDR, 1993

Schutzumschlag

Fieberromane verschlingen
autobiografische
Karrieren Lebenswege
more fiction than fact
die unwiderrufliche Abwesenheit
des Dargestellten, der Körper
frische Fassaden.

entkernt verstört
aufgelöst im
fernen Sein
kein Anzug passt zur Haut
nur Du, Lebenskostüm
Schreibekunst.

Hirnschauerlektüren
Handlungsanweisungen
Verhaltensanleitungen
rhetorische Rezepturen
scala paradisi
Rutschbahn verweht
few happy few.

Springlebendiges nicht
nur tropfender Wasserhahn
Stimmung N: Zerbrochenes Glas.

ein fremdes Rückgrat
trägt dein Fleisch nicht:
Häutungen.

Will ich einen Kreis soll
er nicht auch rund sein?

Waldfiction

Gesang der Waldgöttin
Gesang ohne Verben
Kathedrale aus Nadeln
kein „Übermaß von Himmel“ RMRilke
Wirbel aufgleitender Greifvögel

träumender Wald – Durchstreichung –
Nervenverästelung oberer Ereignisbaum
Wunder der Steinkrönung unter Nassvorhang
Rauheit – hier Doppelbelichtung –
Schattenflug Engführung Vertikalversatz
Horizont mit Ifenklinge

Nassstufen Gegend Bodennebel
Reifenknistern Geplapper der Hüpfvögel
Trittsiegel im Ziehweg
Wasserflüstern – Durchstreichung –
wetteifernder Motorsägen Nachdenklichkeit

auch auf dem Rückweg Wiederholung
ein Wald, der Fiction liebt, Wald zu sein
ganz und gar eifrig – verausgabt sich –
träum doch

Zeremonie für ein Double – Das dritte Auge – Gustav Kluge, Kathrin Haaßengier

Zeremonie für ein Double – Das dritte Auge © Gustav Kluge, Martin Kreyssig 2010

Videodokumentation (Länge 17:55 Min) einer Performance von Gustav Kluge und Kathrin Haaßengier in der Galerie Frisch, Berlin am 30. April 2010 anlässlich einer Ausstellung von Gustav Kluge.

»Ein Telefonat eröffnet am 30. April 2010 gegen 19.30 Uhr die Ausstellung von Gustav Kluge und Kathrin Haaßengier bei FRISCH in der Halle am Wasser hinter dem Hamburger Bahnhof. Der Einlass beginnt ab 18 Uhr. Gesprächspartnerin am Telefon ist die Hamburger Transsexuelle Christine W.. Danach geht die Handlung der „Zeremonie für ein Double“ über in die Bergung Siamesischer Zwillinge aus dem Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal sowie ihrer Operation.

„Das Leben von Christine W. ist eine Extrembiografie“, so Gustav Kluge, neun Jahre hat er mit dem Aktmodell zusammen gearbeitet. „Aus der Sicht des Malers besitzt sie einen archetypischen androgynen Körper. Diesen hat sie nach ihrem Ideal umgeformt. Das führte zu einem Leidensweg, der sie in der neuen Welt nicht ankommen ließ. So reagiert sie auf viele und vieles mit Aggression.“ Im September 2009 wurde Christine W. wegen Körperverletzung zu drei Jahren Haft und Unterbringung in der Psychiatrie verurteilt. Gustav Kluge hat diese Selbstschöpfung und Aggression der Christine W. in fünf der sechs in der Ausstellung befindlichen szenischen Bilder ausgelotet und umgesetzt.

Der Operationssaal, von Kathrin Haaßengier entworfen, zwingt die Zeremonie in eine klaustrophobische Enge. Nur ein Kabel transportiert Videobilder nach außen. Solche Lebensadern wiederholen sich in den drei weiteren kinetisch-akustischen Skulpturen der Bildhauerin. Sie bestehen aus blickdichten Körpern, gläsernen Milchabscheidern und verworrenen miteinander verschlungenen Schläuchen. Strömende Flüssigkeiten transportieren ihren Rhythmus.«

(Quelle: Galerie Fritsch)

Zeremonie für ein Double – Das dritte Auge, Screenshot © Gustav Kluge, Martin Kreyssig 2010
Zeremonie für ein Double – Das dritte Auge, Screenshot © Gustav Kluge, Martin Kreyssig 2010
Zeremonie für ein Double – Das dritte Auge, Screenshot © Gustav Kluge, Martin Kreyssig 2010
Zeremonie für ein Double – Das dritte Auge, Screenshot © Gustav Kluge, Martin Kreyssig 2010
Zeremonie für ein Double – Das dritte Auge, Screenshot © Gustav Kluge, Martin Kreyssig 2010