Questioning Normalcy

»Questioning Normalcy« ist ein künstlerisches Forschungsprojekt, initiiert vom Hamburger Kurations-Duo »Der lächelnde Hase« (Madeleine Lauw & Carsten Rabe) zu Fragen nach Normalität, Normativität und Normalisierungsprozessen in Bezug auf aktuelle gesellschaftliche Umbrüche. Teil dieses Langzeitprojekts ist die gleichnamige Filmreihe, kuratiert von Filmregisseur Prof. Martin Kreyssig. Die Filmreihe leitet über zum »Questioning Normalcy«-Forum und der Ausstellung vom 2. bis 22. November 2026 im Westwerk.

Den Auftakt der Filmreihe im Metropolis Kino der Kinemathek Hamburg bildet anlässlich der Triennale der Photographie Hamburg der Film „Bilder der Welt und Inschrift des Krieges“ von Harun Farocki. Von September bis November werden weitere Filme gezeigt, die zu dem Thema »Questioning Normalcy / Normalität befragen« ausgesucht wurden.

Logo Metropolis Kino der Kinemathek Hamburg

Filmprogramm:

Mo, 8. Juni 2026, 19.15 Uhr, „Bilder der Welt und Inschrift des Krieges“, D 1988, Harun Farocki

Der Essayfilm beschäftigt sich mit Fragen der Bildaufzeichnung mittels Apparaten in Wissenschaft und Militär. Im Zentrum stehen Luftaufnahmen des Vernichtungslagers Auschwitz, die erst 30 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs veröffentlicht wurden. Wie entstehen technische Bilder, wer bewertet die Ergebnisse? Das Projekt der Aufklärung erscheint gefährdet, wenn Hard- und Software Aufzeichnung und Interpretation von Bildern übernehmen.

Di, 8. September 2026, 19 Uhr „Orlando, ma biographie politique“, F 2023, Paul B. Preciado

Di, 22. September 2026, 19 Uhr „La Haine“, F 1995, Mathieu Kassovitz

Mi, 7. Oktober 2026, 19 Uhr „Caché“, F, Ö, D, I 2005, Michael Haneke

Mo, 12. Oktober 2026, 19 Uhr „Zwischen Gebäuden“, BRD 1989, Thomas Schultz

So, 1. November 2026, 17 Uhr, „Jeanne Dielman, 23, quai du Commerce, 1080 Bruxelles“, Bel, F 1975, Chantal Akerman

Der lächelnde Hase – Über Kunst sprechen

Im Podcast von Carsten Rabe und Madeleine Lauw liegt ein Gespräch mit Martin Kreyßig, ausgestrahlt am Montag, 17. November 2025 auf Freies Sender Kombinat Hamburg (FSK).

Wir haben über drei Filme gesprochen: „Das Figur-Grund-Problem in der Architektur des Barock (für dich allein bleibt nur das Grab)“, 1985/86, „Ich habe nichts zu sagen, und das sage ich“, 1999, sowie „Zeremonie für ein Double – Das dritte Auge“ aus dem Jahr 2010.

(v.l.n.r.) Martin Kreyssig, Carsten Rabe und Madeleine Lauw im Tonstudio des FSK Hamburg © Martin Kreyssig 2025

Fotobuch „Amerika“ von Carsten Rabe

aus "Amerika" von Carsten Rabe (c) Carsten Rabe

»Amerika« von Carsten Rabe

97 Abbildungen

205 x 275 mm, 184 Seiten

Mit Texten von Nina Lucia Groß und Martin Kreyßig

ISBN: 978-3-86485-184-1

Textem Verlag, Hamburg 2017, 39 Euro

 

Pressetext:

Keine der Fotografien im Fotobuch »Amerika« wurde in Amerika fotografiert. Die Betrachter erfahren nicht, wo diese Bilder entstanden sind. Ort und Datum gelten als wesentliche Indikatoren im Medium der dokumentarischen Fotografie, aber in »Amerika« werden keine Dokumente gezeigt. Die Herkunft der Fotos, Ort und Zeit ihrer Herstellung sind bedeutungslos. Der indexikalische Charakter von Fotografien wird verweigert. Entscheidend ist für Rabe der Bilderzyklus, die Reihenfolge, die Montage und Erzählung der Inhalte mit ihren visuellen Strukturen wie Kontrast, Rhythmus, Farbigkeit und Perspektive.

Die Fotografien schweben in einem Illusionsraum, der Geografie und Zeitdimension neu definiert. Die Betrachter verorten die Fotografien in Raum und Zeit unter der Headline Amerika. In geteilter Autorschaft öffnet das erzählerische Verfahren von Carsten Rabe den Betrachtern die Möglichkeit, die fotografierte Lektüre mit ihren erinnerten Bildern eines imaginären wie realistischen Amerika in Übereinstimmung zu bringen. Amerika setzt sich bei der Betrachtung der Fotografien zu einer Realität zusammen, die nicht existiert. Die Betrachter werden mittels der Fotografien nicht über Amerika informiert, sondern sondieren den Zusammenhang zwischen erinnerten Amerikabildern oder Bildern, die sie Amerika zuschreiben, und den Amerikabildern von Rabe, die Amerika inszenieren.

Mit den Fotografien zeigt Carsten Rabe etwas. Er benennt das Gezeigte mit dem Titel Amerika und versieht es mit einer artifiziellen Spur. Wir, die Betrachter, sehen alles im Buch »Amerika« Gezeigte als Spur eines Amerika. Die Spuren finden sich aber nicht auf den gezeigten Fotografien, sondern in unseren Erinnerungen von Gezeigtem aus anderen artifiziellen Zusammenhängen oder in Erinnerungen, die wir von Reisen nach Amerika mitgebracht haben. Die Erzählung und Bildfolge Amerika besteht aus Als-ob und Als-wäre. Das lässt den Mythos einmal mehr magisch leuchten. Amerika bleibt Amerika.