Martin Kreyssig was born in Cologne in 1960 and has lived in Hamburg since 1989. From 1980 to 1983 he studied at the Kunstakademie Düsseldorf under Karl Kneidl, Nam June Paik, among others, and from 1983 to 1987 at the Deutsche Film- und Fernsehakademie in Berlin (dffb). Since 1985 he has worked as a freelance director, author and cinematographer. Some of his films are in collections at the Museum für Moderne Kunst in Frankfurt/Main, the Hamburger Kunsthalle and the Center Georges-Pompidou in Paris. From 2002 until his retirement in 2024, he worked as a university professor for digital moving image at the Harz University of Applied Sciences in Wernigerode.
Performance: Elena Kovylina, HD-Videofilm, 8:30 min, 2009, im Auftrag der Hamburger Kunsthalle und im Rahmen der Ausstellung »MAN SON 1969. Vom Schrecken der Situation«, kuratiert von Frank Barth und Dirck Möllmann.
»Charles Manson bezog sich auf einen religiösen Archetypus, um seine Privat-Mythologie aufzubauen. Nicht nur sein Aussehen, sondern auch die zeitweilige Bedeutungsverschiebung des Namens, seine Ansprachen an die Gruppe und eigene Vergleiche mit einem Erlöser sowie rituelle Fußwaschungen (vgl. Susan Atkins, Child of Satan, Child of God, 1977, S. 87) trugen zu dieser Mischung aus Mystizismus, Esoterik und autoritären Strukturen in scheinbar völliger Freiheit bei. Er agierte stereotypisch und leicht wieder erkennbar, worauf einfach zu reagieren war. In ihrer Performance tritt Elena Kovylina unangekündigt zwischen zwei Bands auf, halb nackt und in der Maske mit Haaren und Bart ähnlich wie Charles Manson. Sie erscheint als ein Prophet, der nicht wirklich einer religiösen Gruppe oder einem Kult zugehört, aber als Verkünder von Zeichen erkannt werden kann. Die nachfolgenden Handlungen auf der Bühne waren nicht geplant oder vorher abgesprochen.«
[aus: MAN SON 1969 – Vom Schrecken der Situation, Hamburger Kunsthalle 2009, S. 20]
Videodokumentation (Länge: 31 Min) von Martin Kreyssig des Projekts „Stadtfahrt City Tour“ von Sabine Siegfried und Eva Bothe, Hamburg 1993.
Sieben internationale Künstlerinnen und Künstler wurden für „Stadtfahrt“ eingeladen, je eine Bustour zu planen. In der City wurde von den beiden Kuratorinnen ein Organisations- und Ticketbüro eingerichtet, von dem auch die Busse starteten. Jedem Künstler stand ein Tag zur Verfügung, an dem in der Regel zwei Fahrten – eine vormittags, eine am Abend – stattfanden.
Bei „Stadtfahrt“ schlüpften die Künstlerinnen und Künstler in die Rolle der Stadtführer und provozierten erst durch die zu erwartende Rollenverschiebung die Teilnahme des lokalen Publikums.
Ingold Airlines, „Hier sein heißt dort sein können (Carlo E. Lischetti)“ Res Ingold nutzte die Bustour als Promotion für seine Fluglinie Ingold Airlines. Das Flugteam aus Flugkapitän, Stewardess und Bordmechaniker sorgte für einen angenehmen Aufenthalt. Die Fluggäste wurden mit Ingold Airlines-Wein beköstigt, den sie auch Duty free einkaufen konnten. Per Videofilm und üblichen Ansagen des Flugteams entwickelte sich die Busfahrt zu einem Flugerlebnis der besonderen Art.
Martha Rosler, „Ein leeres Grundstück in Ottensen – verseucht mit Geschichte, Kapital und Asbest“ Martha Rosler führte zu historischen Stätten jüdischer Gemeinden und Friedhöfe in Hamburg. Dort lasen die Fahrgäste Texte zur Judenverfolgung und zum wenig sensiblen heutigen Umgang mit den Stätten jüdischer Kultur.
Michael Deistler, „50 Körper ./. 50 Zeiten = 1 Bus“ Michael Deistler ließ den Bus während der Dämmerung stundenlang über die höchste Elbbrücke hin und her pendeln, eine Stadterfahrung, die vorher wohl niemand gemacht hatte. Nach einem Essensstop in der Oberhafenkantine überraschte er dann die Fahrgäste mit einem Besuch in einem Autokino.
Kirsten Mosher, „Tour Bus Race Tour“ Kirsten Mosher ließ zwei Linienbusse im Hafengebiet zu einem Wettrennen gegeneinander antreten, der Sieger erhielt stilgerecht eine Flasche Champagner.
Stadtfahrt, 1993, Videodokumentation des Projekts von Sabine Siegfried und Eva Bothe / Kirsten Mosher, „Tour Bus Race Tour“ / Foto: Arno Declair
Krzysztof Wodiczko, „Bericht eines Einwanderers“ Krzysztof Wodiczkos Bustour basierte auf der Geschichte eines Schwarzarbeiters aus dem ehemaligen Jugoslawien, der seit 11 Jahren in Norddeutschland und Hamburg lebt und illegal arbeitet. Die Route folgte den Stationen seines Lebens und seiner diversen Arbeitsstätten. Die der Tour zugrundeliegende Erzählung des Arbeiters wurde während der Fahrt im Bus von einem Sprecher vorgetragen.
Jochen Gerz, „Hierophanie“ – Zur Webseite von Jochen Gerz Jochen Gerz dagegen ließ seine Mitfahrer Route und Thema selbst bestimmen. Die Fahrgäste wurden zu Stadtführern und entwarfen durch ihre kleinen Vorträge an Orten ihrer Wahl ein Kaleidoskop ‚ihres‘ Hamburg.
Hierophanie, Jochen Gerz @ Sabine Siegfried, Eva Bothe, Martin Kreyssig 1993Hierophanie, Jochen Gerz @ Sabine Siegfried, Eva Bothe, Martin Kreyssig 1993
Dennis Adams, „Montenegro“ Dennis Adams entführte die Fahrgäste mit unbekanntem Ziel, wobei der Stadtbesichtigungs-Bus dank schwarz verklebter Scheiben den Fahrgästen keinerlei Möglichkeit bot den Fahrweg nachzuvollziehen, geschweige denn, einen Blick auf die Stadt zu werfen. Am Ziel der Fahrt angekommen, wurden die Fahrgäste ohne Vorwarnung in eine fremde Welt geworfen, die ihnen bisher nur vom sicheren Platz vor dem heimischen Fernsehgerät bekannt war: Ein Containerdorf mit asylsuchenden Roma und Cinti. Wie sehr diese fremde Welt doch die ihre ist, wurde vielen im Laufe der stattfindenden persönlichen Begegnungen deutlich.
Stadtfahrt, 1993, Videodokumentation des Projekts von Sabine Siegfried und Eva Bothe / Dennis Adams, „Montenegro“ / Foto: Arno Declair
In einem Jahresprojekt des Studiengangs Medieninformatik wurden zwischen 2016-2017 insgesamt sechs Interviewfilme sowie ein Film zur wirkungsorientierten Steuerung in Kommunen hergestellt. Gedreht wurde in Kempten, Bozen, Lana, Halberstadt und im Studio (Greenscreen) der Hochschule Harz in Wernigerode.
Die Projektgruppe bestand aus den Studierenden: Fenya Troch (Projektleitung), Jan-Billy Blum-Arndt, Wiebke Langebeck, Lucas Rohrberg, Annika Heimann und Aykut Sevim.