Unter Menschen 1 von x

Gesunken
Dringt kein Wort aus
Klammer Höhle
Stumpfe Dunkelheit der
Kälte toter Atem
Nebel roter Ziegelsteine
Klebrig stopfen Schleim und Dreck.

Unter Folienschwärze
Mahlen Lagen
Nasser Tücher Ballen dichten
Stoffs verstopfte Ohren
Klagen durchgebohrter Glieder
Kreischend flattern weiße
Schreie nicht Vogelflug nicht
Ausgerissene Gefieder
Auferstehung kleidet
Neu.

Unter Menschen 2 von x

Fordern schnelle
Fäuste Lärm und
Hohngelächter Scham verzerren
Mund und Nase blutig
Rohe Worte
Neid gezimmert
Haut und Knochen werfen
Wand und Rippen einen Schatten
Keine Lippen sanftes
Zucken aufgespannte
Haut dem Publikum zur
Trommel Abschied schlagen.

Raus aus der Manege
Blut und Rotz der
Kalte Boden
Reissen sie die Sehnen
Spielen sie die Lyra
Zu Schmerzen.

Wanderla

Ich wandert übern Kieselstein
in einem kühnen Bogen,
dort holt der Kreis sein Ende ein,
fällt Weg auf Weg,
mal schnauf mal schnapp,
doch ist vom Anfang her gesehen
kein Unten und kein Oben.

Die Steinorgel

Die Steinorgel wird mit den Füßen gespielt. 13 Kieselsteine erklingen entsprechend ihrer Form und Färbung. Das Arrangement ist nach der Berührung und einer Verzögerung von 36 Millionen Jahren zu genießen.

Belgische Schamanen

Die Toten würfelten mit rosinengroßen Gehirnen, als Trommeltöne sie riefen. Eine Schamanin aus Belgien, groß gewachsen, schwarzhaarig, hockte in einem pränuraghischen Höhlengrab und schlug die „Blume des Lebens“. Sie blickten einander in die Augenhöhlen, die Schamanin und die Toten, die an den Stränden der Unterwelt ein entspanntes Leben führten. Robert Redford war gerade angekommen, die Schlange der Wartenden endlos und ständig warfen sie Münzen, um die Reihenfolge zu ändern.

Die Schamanin wollte einen Blick ins Jenseits werfen, Fühlkontakt aufnehmen. Doch die Toten scherten sich nicht um sie, rasselten fröhlich, sie werde noch genug Zeit haben das Jenseits zu erkunden, ewig sozusagen. Gekicher.
Sie erzählten vergnügt von dem Kurzfilm ‚La Pluie‘, den Marcel Broodthaers, ein echter belgischer Schamane, kürzlich unter begeistertem Gröhlen vorgeführt hatte. Ein Zauber, der Buchstaben in Tränen verwandelt. Der Kunstregen aus Wassereffekten hatte das Publikum zum Toben gebracht.

Das Gespräch erstarb, bevor es begonnen hatte. Die enttäuschte Schamanin stieg in den Mietwagen und nahm das Flugzeug zurück nach Belgien. Die Toten musizierten und klapperten mit den Knochen, Tonspur zu einem neuen cinéastischen Fest. Mal sehen, welche Schattenspiele Robert, The Lion, im Gepäck hat.