deine Mutter auf der Fotografie betrachte
ich wie eine Fremde nur
du kanntest sie in diesem Alter
ich sehe dich wie
du sie betrachtest sie kennst wie
ich sie nicht kannte ich betrachte
deine Mutter wie du
dich erinnerst wie ich
sie nicht erinnere es ist
dein Portrait von deiner Mutter
du hast sie angeschaut für
sie Abzug und Rahmen gewählt
ihr seid weit entfernt wie ihr
euch anschaut ernst und
beide innerlich lächelnd
fällt nach dem Auslöser die Spannung
Melancholie
Kurz lag die Stadt in
Feinstes Weiss gekleidet,
Geschmückt geschminkt
Verwandelt in Stille
Verflogen das Gestern
Die Zeit nie gesehen.
Schon schiessen Tropfen
Höhlen, zerren Schwarz und
Grau, den Stein ans Licht.
Hart dein Gesicht und
müde, schwätz doch vom
Gestern, Dreck und
Dreck again.
Die Sanftheit verflogen
Verschwunden auch
Der Schönheit Zauber, frisches Neu.
Zwei Tage stand verhaltene Hoffnung
Schlange, riss sich Erinnerungen
Aus. Heut regnet das alte Lied,
das Alte.
Novembersilben
Novembersilben
schwarze weiße.
Ins Trübe schreibt der Atem graue Fahnen.
Am Türstock, das abgelegte Alter,
lauscht dem Wind;
in jeder Richtung
auffliegender Gesang.
Gefängnis aus Zeit.
Ein anderer Tag
Die Gegenwart findet mit Hundegebell
und Windstößen
ihr Publikum.
Im Wartesaal.
Häuser erklimmen in der Morgendämmerung
die Hänge, kehren mittags
als Geröll ins Tal.
Häutungen.
Korkeichen Katzen
schwarze Felder.
Rabenschreie.
Sandwolken kühlen die gleißende Sonne.
Augenzwinkern.
Die Tür als Grenze.
Ein anderer Tag.
Gewand
in ungestümen Falten weben
Flächen ohne Raum;
abgewandte rohe Blicke,
die Scham in blanker Trauer;
der lose Knopf, ein Saum.
Hanf und Ginster knüpfen Schleifen,
Plissee aus Silben, Hals und
Fesseln schimmern, hüllen
Körper, Wunder, stolze Nacht;
Satin d’Armour, in Ringen
taut dein blaues Gold
und taumelt; wirf Netze aus
im Strom der Düsternis.
Parrhasius, dein Vorhang webt
der Streit und Täuschung löst
das Tuch zu Wolken;
Luft und Wasser ordnen rund und
logisch die Maschinen: Blüte
schmeckt dein rot-oranger Mund.
Singende Linie, der Lippen
Traum verliebter Laut, aus Feuer
glimmt ein andres Leben;
vor der Leinwand faltest du
ein Lächeln, Zauber, Schweben.
