Das Figur-Grund-Problem in der Architektur des Barock (für dich allein bleibt nur das Grab) – Reinhard Mucha

Das Figur-Grund-Problem in der Architektur des Barock (für dich allein bleibt nur das Grab) © Reinhard Mucha, Martin Kreyssig 1985/86

Der 16mm-Film (Länge 16:16 Min) dokumentiert eine Skulpur des Künstlers Rein­hard Mucha (*1950), die 1985 im Württembergischen Kunstverein in Stuttgart ausge­stellt wurde.

Die Tonspur besteht aus Ori­ginaltönen einer Steilwandfah­rershow auf der Düsseldorfer Rheinkirmes. Der gesprochene Text und die Geräusche der Motor­räder strukturie­ren den Film und setzen die künstlerische Arbeit in den von Rein­hard Mucha angeführten Kontext: „Fahrendes Volk“, „Kunst auf Rä­dern“ und „Ortlosigkeit der modernen Kunst“.

Das Figur-Grund-Problem in der Architektur des Barock (für dich allein ist nur das Grab) / Screenshot © Reinhard Mucha, Martin Kreyßig 1985/86
Das Figur-Grund-Problem in der Architektur des Barock (für dich allein ist nur das Grab) / Screenshot © Reinhard Mucha, Martin Kreyßig 1985/86
Das Figur-Grund-Problem in der Architektur des Barock (für dich allein ist nur das Grab) / Screenshot © Reinhard Mucha, Martin Kreyßig 1985/86
Das Figur-Grund-Problem in der Architektur des Barock (für dich allein ist nur das Grab) / 16mm Filmstreifen © Reinhard Mucha, Martin Kreyßig 1985/86
(v.li.n.re) Reinhard Mucha, Martin Kreyssig, Jean-Christophe Ammann, Johannes Lenhart © Johannes Lenhart 1987

TOMATENSALAT – Thomas Schütte

TOMATENSALAT © Thomas Schütte, Martin Kreyssig 1991/97

Die Videodokumentation (1991/ 97, Länge 13 Min) behandelt die Einzelausstellung des Künstlers Thomas Schütte (*1954), die 1990 im Van Abbemuseum Eindhoven.

Entsprechend der Ausstellungskonzeption, wurde für den Film eine Kapitelstruktur gewählt, die der unterschiedlichen „Ausstattung“ der Museumsräume mit Skulpturen, Bildern und Zeichnungen entsprach. So ist jedem Raum eine eigene Kamera- oder Schnittechnik zugeordnet, die – unterstützt von der Musikgruppe RED ANT FEET – Werke aus den 1980er Jahren des Künstlers vorstellt.

Tomatensalat, Ausstellung Thomas Schütte, Van Abbemuseum Eindhoven © 1991/97 Martin Kreyssig
Tomatensalat, Ausstellung Thomas Schütte, Van Abbemuseum Eindhoven © 1991/97 Martin Kreyssig
Tomatensalat, Ausstellung Thomas Schütte, Van Abbemuseum Eindhoven © 1991/97 Martin Kreyssig

40 Jahre Arbeiten

Filmlager © Martin Kreyssig 2025

Heute warf ich die Zeugen vierzigjähriger Arbeit weg. Zwei Wagenladungen Negative, Arbeitskopien, Originalaufnahmen auf Film, Video und Tonband. Sämtliches Halbzeug aus dem anschließend Filmwerke wurden. Bessere und schlechtere.
Das Erinnerungspaket „sperrige, lose Abfälle“ in der abgemessenen Größe von knapp einem Kubikmeter kostete beim Recyclinghof 52,00 €. Alle orange gekleideten Mitarbeitenden waren freundlich und hilfsbereit. Als ich mit der zweiten Fuhre kam, tanzten und sangen sie fröhlich zu lauter Musik aus dem Handy. Sie ahnen, was manche Fracht für die Anliefernden bedeutet.
Die Natur sieht den Zustand der Leere gleichgültig. Auch ich sollte die Angelegenheit leicht nehmen, ich meine, die 40 Jahre Arbeiten.

König Friedrich und sein Nachbar

Eine Filmübung an der dffb Berlin im Wintersemester 1983/84 war die Herstellung eines Kurzfilms. Die Gruppe einigte sich auf die Kurzgeschichte „König Friedrich und sein Nachbar“ von Johann Peter Hebel. Gedreht wurde Dezember 1983 im Olympiastadion in Berlin bei minus 10° Celsius.

Martin Kreyssig als Friedrich II. @ dffb 1983

König Friedrich und sein Nachbar

Der König Friedrich von Preussen hatte acht Stunden von Berlin freilich ein schönes Lustschloss und war gerne darin, wenn nur nicht ganz nahe daneben die unruhige Mühle gewesen wäre. Denn erstlich stehn ein königliches Schloss und eine Mühle nicht gut nebeneinander, obgleich das Weissbrot schmeckt auch in dem Schloss nicht übel, wenn’s die Mühle fein gemahlen und der Ofen wohl gebacken hat. Ausserdem aber, wenn der König in seinen besten Gedanken war und nicht an den Nachbar dachte, auf einmal liess der Müller das Wasser in die Räder schiessen und dachte auch nicht an den Herrn Nachbar, und die Gedanken des Königs stellten das Räderwerk der Mühle nicht, aber manchmal das Klapperwerk der Räder die Gedanken des Königs. Der geneigte Leser sagt: »Ein König hat Geld wie Laub, warum kauft er dem Nachbar die Mühle nicht ab und lässt sie niederreissen?« Der König wusste, warum. Denn eines Tages liess er den Müller zu sich rufen. »Ihr begreift«, sagte er zu ihm, »dass wir zwei nicht nebeneinander bestehen können. Einer muss weichen. Was gebt Ihr mir für mein Schlösslein?« – Der Müller sagte: »Wie hoch haltet Ihr es, königlicher Herr Nachbar?« Der König erwiderte ihm: »Wunderlicher Mensch, so viel Geld habt Ihr nicht, dass Ihr mir mein Schloss abkaufen könnt. Wie hoch haltet Ihr Eure Mühle?« Der Müller erwiderte: »Gnädigster Herr, so habt auch Ihr nicht so viel Geld, dass Ihr mir meine Mühle abkaufen könnt. Sie ist mir nicht feil.« Der König tat zwar ein Gebot, auch das zweite und dritte, aber der Nachbar blieb bei seiner Rede. »Sie ist mir nicht feil. Wie ich darin geboren bin«, sagte er, »so will ich darin sterben, und wie sie mir von meinen Vätern erhalten worden ist, so sollen sie meine Nachkommen von mir erhalten und auf ihr den Segen ihrer Vorfahren ererben.« Da nahm der König eine ernsthaftere Sprache an: »Wisst Ihr auch, guter Mann, dass ich gar nicht nötig habe, viel Worte zu machen? Ich lasse Euere Mühle taxieren und breche sie ab. Nehmt alsdann das Geld, oder nehmt es nicht!« Da lächelte der unerschrockene Mann, der Müller, und erwiderte dem König: »Gut gesagt, allergnädigster Herr, wenn nur das Hofgericht in Berlin nicht wäre.« Nämlich, dass er es wolle auf einen richterlichen Ausspruch ankommen lassen. Der König war ein gerechter Herr und konnte überaus gnädig sein, also dass ihm die Herzhaftigkeit und Freimütigkeit einer Rede nicht missfällig war, sondern wohlgefiel. Denn er liess von dieser Zeit an den Müller unangefochten und unterhielt fortwährend mit ihm eine friedliche Nachbarschaft. Der geneigte Leser aber darf schon ein wenig Respekt haben vor einem solchen Nachbar und noch mehr vor einem solchen Herrn Nachbar. (Quelle: Projekt Gutenberg)

Texte von Martin Kreyssig

Gigaro-Tisch, Foto M. Kreyssig

Buchbeitrag (2024): Simon Adler, Pia Bothe, Martin Kreyssig, Daniel Ackermann: Virtuelle Welten als Grenzobjekte technischer Systeme für Arbeits- und Lernprozesse. In: Senkbeil, K., Ahlers, T. (2024). Virtual Reality in den Geisteswissenschaften. Konzepte, Methoden und interkulturelle Anwendungen. Berlin, Deutschland: Peter Lang Verlag. Retrieved Dec 3, 2024 [Buch]

Kreyßig, Martin (2023): Acht Texte über audiovisuelle Arbeiten von Birgit Ulher. In: Split Friction. Katalog von Birgit Ulher 2023. ISBN: 978-3-00-076664-0.

Kreyßig, Martin (2022): Festrede »Thema: Zukunft« anlässlich der feierlichen Verabschiedung der Absolventinnen und Absolventen am Fachbereich Automatisierung und Informatik der Hochschule Harz am 25.11.2022

Kreyßig, Martin (2017): Amerika von Carsten Rabe als Filmessay. In: Amerika. Carsten Rabe. Textem Verlag Hamburg 2017. ISBN: 978-3-86485-184-1

Kreyßig, Martin (2014): Von Träumen und Alpträumen – bildnerische Arbeiten von Axel Klepsch. Rede anlässlich der Eröffnung der Ausstellung von Axel Klepsch in der Galerie Wolkenburg, Wuppertal.

Kreyßig, Martin (2014): Investigation spurloser Konstruktionen – zu fotografischen Werken von Aras Gökten. In: Ausstellungskatalog, Arkanum Aras Goekten.

Kreyßig, Martin (2012): Rede anlässlich der Ausstellungseröffnung von Laurel Lueders. Hochschule Harz Wernigerode am 1. Feb. 2012.

Buchbeitrag (2008): Martin Kreyßig, Ekkehart Baumgartner: The User is the Message. In: Virtuelle Ästhetik – Betrachtungen zur Wahrnehmung am Beginn des 21. Jahrhunderts, Kyrene Verlag Innsbruck. ISBN: 978-3-900009-44-1

Kreyßig, Martin (2008): Aktuelle Dramaturgie – Eine Passage durch lineare und non-lineare Erzählformen. In: Festschrift „15 Jahre Hochschule Harz“. ISBN: 978-3-00-022117-0

Kreyßig, Martin (2002): Inszenierung in Film und Architektur. In: „AKJAA – Positionen junger Architekten in Deutschland“, Birkhäuser, Basel. ISBN: 978-3-7643-6719-9

Kreyßig, Martin (2001): „FIG –1“. In: 50 Projects in 50 Weeks, Edited and curated by Mark Francis, published in association with „Tate, the art magazine“, London.

Kreyßig, Martin (2003): Henk Visch. In: Ausstellungskatalog Henk Visch, Produzentengalerie Hamburg, Rede zum Werk von Henk Visch anlässlich der Eröffnung seiner Einzelausstellung in Bremerhaven.

Kreyßig, Martin (1998): Dürers Apokalypse. In Deutschlandfunk,  „Corso extra / Apokalypse now – Über die Lust am Weltuntergang“, gesendet am 10. Oktober 1998.

Kreyßig, Martin (1998): Anrede. In Katalog „PRO MUSICA NOVA“,  Bremen.

Kreyßig, Martin (1998): Gewaltdarstellung in der Bildenden Kunst. In Deutschlandfunk ,  „Corso extra / Natural Born Killer – Gewalt im aktuellen Kino“, gesendet am Köln 04. April 1998.

Kreyßig, Martin (1997): Jenseits aller Sensationen. In Katalog „Michael Zibold – Fotografie“, Hamburg.

Kreyßig, Martin (1997): Das Zwei und ein Krokodil. New York Photographien von Michael Zibold, unveröffentlicht 1997.

Kreyßig, Martin (1995): Sehen mit und ohne Apparate. In Katalog „Begreifungskräfte“, Badischer Kunstverein.

Kreyßig, Martin (1998): Verschiedene Texte. In Katalog „GLAUBEN SIE NUR WAS SIE SEHEN – Axel Klepsch“, Solitude, Stuttgart.

Kreyßig, Martin (1993): Square Dance – The Human Figure In Recent Sculpture. In „The Lectures“, 1993, Witte de With, Rotterdam, ISBN 90-73362-26-1

Kreyßig, Martin (1992): Von einem Hausbesuch und anderen Täuschungen. In „Viola Kiefner“, Lübeck.

Kreyßig, Martin (1990): Abandoning Being Oneself. In „DISCOVER EUROPEAN VIDEO“, Düsseldorf – New York.

Kreyßig, Martin (1990): Erinnerungsgepäck. In „Viola Kiefner“, Kulturbehörde Hamburg.