Schwieriger ist sowieso der Raum im Innern / The Interior is always more difficult

The Interior is always more difficult © Richard Deacon, Martin Kreyssig 1991

Film von Martin Kreyssig zu einer Einzelausstellung von Richard Deacon in den von Mies van der Rohe erbauten Häusern Museum Haus Lange und Haus Esters in Krefeld 1991. Format: 16mm / Video, 25 min, Kamera: Reinhold Vorschneider, Musik: György Ligeti, Giacinto Scelsi. Deutsche und Englische Sprachfassung.

Der Film behandelt im ersten Teil Einzelheiten der Landhausarchitektur der von Mies van der Rohe (1886-1969) 1930 in Krefeld gebauten Privathäuser, die heute Museum sind. Der Kunsthistoriker Prof. Dr. Wolf Tegethoff erklärt die Architektur und spricht über Details dieses Ensembles aus zwei sehr ähnlichen, geschwisterlichen Gebäuden.

Im zweiten Teil des Filmes werden Skulpturen des englischen Bildhauers Richard Deacon (*1949) vorgestellt, die zum Teil speziell für die Ausstellung in Krefeld hergestellt wurden. Richard Deacon und Dr. Julian Heynen, Kurator der Ausstellung, sprechen über die konzeptuellen Unterschiede der Ausstellung für die beiden Häuser und erörtern Aspekte einzelner Skulpturen.

Schwieriger ist sowieso der Raum im Innern © Richard Deacon, Martin Kreyssig 1991
The Interior is always more difficult – Screenshot © Richard Deacon, Martin Kreyssig 1991
The Interior is always more difficult – Screenshot © Richard Deacon, Martin Kreyssig 1991
The Interior is always more difficult – Screenshot © Richard Deacon, Martin Kreyssig 1991

Viele Spiele Grosse Kleine – Thomas Schütte

VIELE SPIELE GROSSE KLEINE © Thomas Schütte, Martin Kreyssig 1994

Animationsfilm (1994, 15 Min) von Martin Kreyssig zu Werken des Künstlers Thomas Schütte, die 1994 in zwei Ausstellungen mit dem Titel »Figur« in der Hamburger Kunsthalle (5. Mai 05 – 26. Juni) und im Württembergischer Kunstverein Stuttgart (3. September – 16. Oktober) präsentiert wurden.

In der Tradition, die Perfektion des Dilettantischen – im Gegensatz zur Ingenieurskunst – voranzutreiben, führt der Kurzfilm durch das figürliche Werk von Thomas Schütte aus den 1980 bis 1990er Jahre. Der Film ist in Einzelbildschaltung im Format 16mm gedreht und unterlegt die Bildsequenzen mit Geräuschen aus Datenbanken, die seinerzeit z.B. in der Vertonung von Spielfilmen eingesetzt wurden.

Viele Spiele Grosse Kleine © Thomas Schütte, Martin Kreyssig 1994
Viele Spiele Grosse Kleine © Thomas Schütte, Martin Kreyssig 1994
Viele Spiele Grosse Kleine © Thomas Schütte, Martin Kreyssig 1994

Gewand

in ungestümen Falten weben
Flächen ohne Raum;
abgewandte rohe Blicke,
die Scham in blanker Trauer;
der lose Knopf, ein Saum.

Hanf und Ginster knüpfen Schleifen,
Plissee aus Silben, Hals und
Fesseln schimmern, hüllen
Körper, Wunder, stolze Nacht;

Satin d’Armour, in Ringen
taut dein blaues Gold
und taumelt; wirf Netze aus
im Strom der Düsternis.

Parrhasius, dein Vorhang webt
der Streit und Täuschung löst
das Tuch zu Wolken;
Luft und Wasser ordnen rund und
logisch die Maschinen: Blüte
schmeckt dein rot-oranger Mund.

Singende Linie, der Lippen
Traum verliebter Laut, aus Feuer
glimmt ein andres Leben;
vor der Leinwand faltest du
ein Lächeln, Zauber, Schweben.

Literarisches Ereignis

Im Nieselregen schlenderte K. im Übergangsmantel am Ministerium für Verkehr entlang. Er ging vom Muskeltraining zurück zur Pension. Ein Gesicht aus dem Bleistiftgebiet trippelte vorüber, grüßte den älteren Kollegen. Geschmeichelt schnürzte K. ein tonloses ‚Guten Appetit‘.
K. bemerkte verwundert, selbst beiläufige Begegnungen geraten in der Hauptstadt zu einem literarischen Ereignis.

Traum, sprich! (Berlin im Dezember)

Die Speere bewachten nachts mit geifernden Aggregaten, heulenden Hunden das mächtige Schiebetor. Zwischen den Speeren saß ich, der Stift, stolz, Edgar, der Speer.

Im Inneren der Festung wurden Träume und Erinnerungen zur Beute. Trauben schwarzer Klänge, Früchte der Klugheit mahlten im Training Strategie und Bewegung. Die schlafende Schar schied die Kräfte, gebar den wahren Moment. Silberne Lettern schmückten den Fries der Frauen und Mütter: Aoide, Arche, Erato, Euterpe, Hypate, Kalliope, Klio, Melete, Melpomene, Mese, Mneme, Nete, Terpsichore, Thaleia, Thelxinoe, Polyhymnia, Polymatheia, Urania, unter der Aufsicht von Plusia und Euippe.*
Im milchtrüben Licht des Opaion hockten auf Vogelstangen, die stolzen Köpfe im Gefieder: Acalanthis, Cenchris, Chloris, Cissa, Colymbas, Dracontis, Lyngx, Nessa und Pipo.
Drängt der aufkommende Morgen zur Entscheidung?

*Erstaunt war ich im Traum, wie leicht mir die Namen über die Lippen gehen. Erinnerung, sprich!