Etwas – Schuldt

Etwas / Schuldt / nichts / Hamburger Kunsthalle / Martin Kreyßig
Etwas © Schuldt, Hamburger Kunsthalle, Martin Kreyssig 2004/05

Videofilm von Martin Kreyssig, 2004/05, Länge: 12:00 Min, im Auftrag der Hamburger Kunsthalle.

Etwas / Schuldt / nichts / Hamburger Kunsthalle / Martin Kreyßig
Etwas © Schuldt, Hamburger Kunsthalle, Martin Kreyßig 2004-05

Texte von Schuldt:

Die Internationale Ausstellung von nichts fand im Juli 1960 in Hamburg statt, zwei Jahre vor George Macuias‘ Fluxus.

1960 gab es einen klar erkennbaren Kunstbegriff. Da war es einfach, sich außerhalb der Kunst zu stellen. Zu zeigen, daß der Apparat auch ganz ohne Kunst tadellos funktionierte.

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Die Sachen stammten aus dem Laden oder wurden anonym angefertigt, nicht von Künstlern. Signiert haben Straßenpassanten. 

Die Ausstellung lief nur eine Woche. In diesen sieben Tagen wurde sie aus Protest dreimal zerstört. 

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Ein Material wird soweit zum Kunstwerk vorbereitet, daß es nichts anderes mehr werden kann; aber gerade an dem Punkt, wo Kunst hinzuträte oder einträte, wird der Vorgang abgebrochen. 

Beispiel Gemälde: die Leinwand auf Keilrahmen, grundiert, kommt als Schneuztuch oder Gardine nicht mehr in Frage, aber Kunst ist keine draufgemalt. Das Werk ist beides nicht.

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Hier steht eine Rekonstruktion. Neu könnte man das heute nicht so machen, und vielleicht überhaupt nicht. Die Grenzen der Kunst zu überschreiten hatte man vor nichts schon angefangen, und seither nicht mehr aufgehört. Die Horden der Überschreiter sind in zentrifugale Fernen entschunden. Niemand wüßte sich noch irgendwo außerhalb der Kunst zu stellen.

Etwas / Schuldt / nichts / Hamburger Kunsthalle / Frank Barth / Martin Kreyßig
Etwas © Schuldt, Hamburger Kunsthalle, Martin Kreyßig 2004-05

The Appearance of ###### to the people – Elena Kovylina

Performance: Elena Kovylina, HD-Videofilm, 8:30 min, 2009, im Auftrag der Hamburger Kunsthalle und im Rahmen der Ausstellung »MAN SON 1969. Vom Schrecken der Situation«, kuratiert von Frank Barth und Dirck Möllmann.

Elena Kovylina, MAN SON 1969 © Hamburger Kunsthalle, Martin Kreyssig 2009

»Charles Manson bezog sich auf einen religiösen Archetypus, um seine Privat-Mythologie aufzubauen. Nicht nur sein Aussehen, sondern auch die zeitweilige Bedeutungsverschiebung des Namens, seine Ansprachen an die Gruppe und eigene Vergleiche mit einem Erlöser sowie rituelle Fußwaschungen (vgl. Susan Atkins, Child of Satan, Child of God, 1977, S. 87) trugen zu dieser Mischung aus Mystizismus, Esoterik und autoritären Strukturen in scheinbar völliger Freiheit bei. Er agierte stereotypisch und leicht wieder erkennbar, worauf einfach zu reagieren war.
In ihrer Performance tritt Elena Kovylina unangekündigt zwischen zwei Bands auf, halb nackt und in der Maske mit Haaren und Bart ähnlich wie Charles Manson. Sie erscheint als ein Prophet, der nicht wirklich einer religiösen Gruppe oder einem Kult zugehört, aber als Verkünder von Zeichen erkannt werden kann. Die nachfolgenden Handlungen auf der Bühne waren nicht geplant oder vorher abgesprochen.«

[aus: MAN SON 1969 – Vom Schrecken der Situation, Hamburger Kunsthalle 2009, S. 20]

Tiger oder Löwe – Peter Friedl

Tiger oder Löwe, Peter Friedl, Hamburger Kunsthalle / Film von M. Kreyssig

Videofilm, 2:12 min, 2000, im Auftrag der Hamburger Kunsthalle, Frank Barth

Die Videoinstallation Tiger oder Löwe (2000) bezieht sich auf das Gemälde Tiger und Schlange (ca. 1858), ein Spätwerk von Eugène Delacroix, das im Olympiasaal der Hamburger Kunsthalle hängt. Dorthin brachte Friedl einen echten Tiger und eine Stoffschlange. Bei Delacroix bedroht der Tiger die Schlange in der freien Wildbahn. Friedls komische Hommage ironisiert das Pathos in Delacroix‘ Bild oder bringt, wie er sagt, „die institutionellen Erwartungen auf eine andere Ebene“. (Quelle: documenta 12.de)