Im Chor singen? Niemals!
Aber als Sandkorn ein Solo, gerne.
Der lächelnde Hase – Über Kunst sprechen
Im Podcast von Carsten Rabe und Madeleine Lauw liegt ein Gespräch mit Martin Kreyßig, ausgestrahlt am Montag, 17. November 2025 auf Freies Sender Kombinat Hamburg (FSK).
Wir haben über drei Filme gesprochen: „Das Figur-Grund-Problem in der Architektur des Barock (für dich allein bleibt nur das Grab)“, 1985/86, „Ich habe nichts zu sagen, und das sage ich“, 1999, sowie „Zeremonie für ein Double – Das dritte Auge“ aus dem Jahr 2010.

Kassenzettel
Es bediente Sie 91
Danke 91, gut gemacht, freundlich ist 91, fleißig auch, 91 hat Ideen, unterbreitet Vorschläge, 91 bringt sich ein, argumentiert, probiert Neues, plant im Voraus, schaut in die Zukunft, 91 analysiert, rekapituliert, kontrolliert, rechnet nach, 91 verschafft sich einen Überblick, 91 recherchiert, 91stes Lieblingswort, recherchiert nach unbekannten Lösungsansätzen, sucht unorthodoxe Wege, 91 setzt Maßstäbe im Projizieren von Strategien, Entwicklungsmaßnahmen, 91 kreiert die Zukunft mittels einer fundierten Analyse der Gegenwart, 91 übertrifft die gestellten Aufgaben, 91 löst Begeisterung aus, 91 verdient nicht nur anhaltenden Applaus, sondern auch eine Gehaltserhöhung plus einer Gratifikation zu Weihnachten, vielleicht Konfekt in einer Bonbonniere?
Es bediente Sie 91
Danke 91
»trembling« – Viola Kiefner
»trembling« – Performance und Intervention 2017 von Viola Kiefner, Dauer 60 Minuten.
Der achtminütige Ausschnitt entstammt der filmischen Dokumentation (Länge: 27 Min) der Performance und Intervention beim Galerienrundgang auf der Fleetinsel in Hamburg am 7. September 2017.
Performerinnen: Nathalie Dickscheid, Insa Griesing, Viola Kiefner, Thordis Meyer
Kamera und Editing: Martin Kreyßig
»Während einer Ausstellungseröffnung betreten vier Performerinnen den Galerieraum. Sie sind mit dunklen Anzügen gekleidet und haben einen einbeinigen Melkschemel um die Hüften geschnallt.
Sie suchen sich im Raum einen geeigneten Platz, formieren sich ohne miteinander zu reden zu einer Gruppe. Sie setzen sich und beginnen, mit dem Oberschenkel zu zittern, zu wackeln. Die restlichen Körperteile bleiben ruhig, fast starr, mit gelassenem, fast teilnahmslosem Blick schauen sie aneinander vorbei. Die Armhaltungen variieren: die Arme liegen auf den Oberschenkeln, sind vor der Brust gekreuzt, die Finger sind ineinander verschränkt.
Bänder mit kleinen Glöckchen sind um ihre Knöchel gebunden – sie »verstärken« akustisch die Beinbewegungen. Ähnlich wie in der Improvisationsmusik spielen und kommunizieren die Performerinnen mit dem Glöckchenklang im Ensemble, treten stellenweise solistisch hervor oder pausieren.
Nach ca. 3 bis 4 Minuten stehen sie auf – initiiert durch den Impuls einer Performerin –, suchen sich einen neuen Ort im Galerieraum, setzen sich auf den einbeinigen Melkschemel und beginnen erneut mit ihrem »Oberschenkel-Zittern«. Dieser Ablauf wiederholt sich ca. 3 bis 5 Mal.
Danach verlassen PerformerInnen den Galerieraum. Die Performance wird auf dem Gehweg vor der Galerie, in einem Innenhof, in benachbarten Galerien während des Galerienrundgangs zum Saisonstart auf der Fleetinsel in Hamburgs Innenstadt fortgesetzt.
Intention der Performance ist es, das Phänomen zweier, konträrer Energiezustände im menschlichen Körper zu zeigen, die gleichzeitig und nebeneinander erscheinen: einen Bewegungsdrang, der – aus welchen Gründen auch immer ¬– aufgestaut und in einer statischen Körperhaltung zurückgehalten wird.
Als Performance wurde »trembling« in den »eigenen vier Wänden« (in der Ausstellungshalle des Westwerks in der Admiralitätstraße, Hamburg) begonnen und beendet, dazwischen verwandelte sich das Format im öffentlichen Raum und in anderen Galerien zu einer Intervention.«



Frankfurter Judaskuss – Caroline von Grone
Frankfurter Judaskuss, 2003, Caroline von Grone, Videofilm / Länge: 15:00 min / Produktion: Caroline von Grone
Die Aktion Frankfurter Judaskuss findet zur Eröffnung der Ausstellung deutschemalereizweitausenddrei im Frankfurter Kunstverein im Jahr 2003 statt. Zwei männliche Halbakte stehen im Schaufenster des Kunstvereins Modell. Ihre Spiegelung im nächtlichen Fenster wird gemalt. Von außen ist fünf Tage vor der Eröffnung nur die Modellsituation sichtbar, nicht was gemalt wird, nach der Eröffnung erschließt sich von innen das Bildmotiv. Anschließend werden die entstandenen Bilder und der parallel in Zusammenarbeit mit Martin Kreyssig produzierte Film über die Aktion in der Ausstellung gezeigt.
The action Frankfurter Judaskuss (The kiss of Judas in Frankfurt) was performed to mark the opening of the exhibition deutschemalereizweitausenddrei at Frankfurter Kunstverein, Frankfurt am Main, 2003. Two male semi-nudes provided the models in the art association’s display window. Their reflection in the nocturnal window was painted. For five days before the opening, only the painter with the models could be seen from outside, not the painting; the subject of the painting only became apparent inside after the opening. Afterwards, the pictures painted were shown in the exhibition along with a film about the action filmed by Martin Kreyssig.
Produced with Martin Kreyssig, shown during the exhibition deutschemalereizweitausenddrei at Frankfurter Kunstverein, Frankfurt/Main, 2003
Text: Caroline von Grone


