40 Jahre Arbeiten

Filmlager © Martin Kreyssig 2025

Heute warf ich die Zeugen vierzigjähriger Arbeit weg. Zwei Wagenladungen Negative, Arbeitskopien, Originalaufnahmen auf Film, Video und Tonband. Sämtliches Halbzeug aus dem anschließend Filmwerke wurden. Bessere und schlechtere.
Das Erinnerungspaket „sperrige, lose Abfälle“ in der abgemessenen Größe von knapp einem Kubikmeter kostete beim Recyclinghof 52,00 €. Alle orange gekleideten Mitarbeitenden waren freundlich und hilfsbereit. Als ich mit der zweiten Fuhre kam, tanzten und sangen sie fröhlich zu lauter Musik aus dem Handy. Sie ahnen, was manche Fracht für die Anliefernden bedeutet.
Die Natur sieht den Zustand der Leere gleichgültig. Auch ich sollte die Angelegenheit leicht nehmen, ich meine, die 40 Jahre Arbeiten.

Texte von Martin Kreyssig

Gigaro-Tisch, Foto M. Kreyssig

Buchbeitrag (2024): Simon Adler, Pia Bothe, Martin Kreyssig, Daniel Ackermann: Virtuelle Welten als Grenzobjekte technischer Systeme für Arbeits- und Lernprozesse. In: Senkbeil, K., Ahlers, T. (2024). Virtual Reality in den Geisteswissenschaften. Konzepte, Methoden und interkulturelle Anwendungen. Berlin, Deutschland: Peter Lang Verlag. Retrieved Dec 3, 2024 [Buch]

Kreyßig, Martin (2023): Acht Texte über audiovisuelle Arbeiten von Birgit Ulher. In: Split Friction. Katalog von Birgit Ulher 2023. ISBN: 978-3-00-076664-0.

Kreyßig, Martin (2022): Festrede »Thema: Zukunft« anlässlich der feierlichen Verabschiedung der Absolventinnen und Absolventen am Fachbereich Automatisierung und Informatik der Hochschule Harz am 25.11.2022

Kreyßig, Martin (2017): Amerika von Carsten Rabe als Filmessay. In: Amerika. Carsten Rabe. Textem Verlag Hamburg 2017. ISBN: 978-3-86485-184-1

Kreyßig, Martin (2014): Von Träumen und Alpträumen – bildnerische Arbeiten von Axel Klepsch. Rede anlässlich der Eröffnung der Ausstellung von Axel Klepsch in der Galerie Wolkenburg, Wuppertal.

Kreyßig, Martin (2014): Investigation spurloser Konstruktionen – zu fotografischen Werken von Aras Gökten. In: Ausstellungskatalog, Arkanum Aras Goekten.

Kreyßig, Martin (2012): Rede anlässlich der Ausstellungseröffnung von Laurel Lueders. Hochschule Harz Wernigerode am 1. Feb. 2012.

Buchbeitrag (2008): Martin Kreyßig, Ekkehart Baumgartner: The User is the Message. In: Virtuelle Ästhetik – Betrachtungen zur Wahrnehmung am Beginn des 21. Jahrhunderts, Kyrene Verlag Innsbruck. ISBN: 978-3-900009-44-1

Kreyßig, Martin (2008): Aktuelle Dramaturgie – Eine Passage durch lineare und non-lineare Erzählformen. In: Festschrift „15 Jahre Hochschule Harz“. ISBN: 978-3-00-022117-0

Kreyßig, Martin (2002): Inszenierung in Film und Architektur. In: „AKJAA – Positionen junger Architekten in Deutschland“, Birkhäuser, Basel. ISBN: 978-3-7643-6719-9

Kreyßig, Martin (2001): „FIG –1“. In: 50 Projects in 50 Weeks, Edited and curated by Mark Francis, published in association with „Tate, the art magazine“, London.

Kreyßig, Martin (2003): Henk Visch. In: Ausstellungskatalog Henk Visch, Produzentengalerie Hamburg, Rede zum Werk von Henk Visch anlässlich der Eröffnung seiner Einzelausstellung in Bremerhaven.

Kreyßig, Martin (1998): Dürers Apokalypse. In Deutschlandfunk,  „Corso extra / Apokalypse now – Über die Lust am Weltuntergang“, gesendet am 10. Oktober 1998.

Kreyßig, Martin (1998): Anrede. In Katalog „PRO MUSICA NOVA“,  Bremen.

Kreyßig, Martin (1998): Gewaltdarstellung in der Bildenden Kunst. In Deutschlandfunk ,  „Corso extra / Natural Born Killer – Gewalt im aktuellen Kino“, gesendet am Köln 04. April 1998.

Kreyßig, Martin (1997): Jenseits aller Sensationen. In Katalog „Michael Zibold – Fotografie“, Hamburg.

Kreyßig, Martin (1997): Das Zwei und ein Krokodil. New York Photographien von Michael Zibold, unveröffentlicht 1997.

Kreyßig, Martin (1995): Sehen mit und ohne Apparate. In Katalog „Begreifungskräfte“, Badischer Kunstverein.

Kreyßig, Martin (1998): Verschiedene Texte. In Katalog „GLAUBEN SIE NUR WAS SIE SEHEN – Axel Klepsch“, Solitude, Stuttgart.

Kreyßig, Martin (1993): Square Dance – The Human Figure In Recent Sculpture. In „The Lectures“, 1993, Witte de With, Rotterdam, ISBN 90-73362-26-1

Kreyßig, Martin (1992): Von einem Hausbesuch und anderen Täuschungen. In „Viola Kiefner“, Lübeck.

Kreyßig, Martin (1990): Abandoning Being Oneself. In „DISCOVER EUROPEAN VIDEO“, Düsseldorf – New York.

Kreyßig, Martin (1990): Erinnerungsgepäck. In „Viola Kiefner“, Kulturbehörde Hamburg.

Passagen – Michael Zibold

Passagen / Kehrer Verlag / Michael Zibold 2011
  • Gebundene Ausgabe: 280 Seiten
  • Verlag: Kehrer, Heidelberg (Februar 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3868282017
  • ISBN-13: 978-3868282016

Michael Zibolds Fotografien im Band Passagen sind während der letzten zwanzig Jahre in den großen Hafenstädten dieser Welt entstanden: Shanghai, St.Petersburg, New York, Neapel, Rio de Janeiro, um nur einige der neunzehn Orte zu nennen. Doch von Häfen und ihren Aktivitäten erzählen die Fotos nur beiläufig. Im Mittelpunkt der Schwarzweißfotografien stehen Begegnungen mit Menschen und Orten, die über den rein dokumentarischen Kontext hinaus verweisen. Dabei zaubern ausgesuchte Blickwinkel, Hinter- und Vordergründe, Details und eine auf das Tageslicht vertrauende Lichtregie aus alltäglichen Eindrücken Geschichten.

Michael Zibold (1957-2021) studierte in Stuttgart, lebte in New York, Mailand und Tokio, bevor er 1989 nach Hamburg kam. Hier lebt und arbeitet er heute. Vor allem mit seinen Reportagen aus den Metropolen der Welt hat er sich international einen Namen gemacht. Seine Arbeiten wurden bereits in zahlreichen Ausstellungen präsentiert.

»Die Bilder von Michael Zibold bringen uns Orte, Gesichter und Szenarien zur Ansicht, die in uns zu Erinnerungen werden, ohne dass wir anwesend waren. Von seinem Instinkt für das Nebensächliche geleitet, folgt man der Spur des Photographen durch den urbanen Dschungel. Man entdeckt Ruhe, Stille und die oft erschreckende Sicht auf einen eingefrorenen Augenblick.« Prof. Martin Kreyßig

Michael Zibold took the photographs in the book „Passagen“ during the past 20 years in the world’s major harbor cities: Shanghai, St.Petersburg, New York, Naples and Rio de Janeiro, to name just a few of a total of 19 different settings. But his images are only marginally about harbors and what goes on there. The black-and-white photographs focus instead on encounters with people and places that go beyond the purely documentary context. Carefully selected angles, backgrounds and foregrounds, details, and confidence in the adequacy of daylight conjure up compelling stories out of these everyday scenes.
Michael Zibold (1957-2021) studied in Stuttgart and lived in New York, Milan and Tokyo before coming to Hamburg in 1989, where he still lives and works today. He has made a name for himself internationally mainly with his photo reports on the world’s metropolises. Zibold’s work has been featured in numerous exhibitions.

»Michael Zibold’s pictures show us places, faces and scenarios that become memories without us having been there. Guided by his instinct for incidentals, we follow the photographer’s trail through the urban jungle. We discover peace, silence, and the often shocking sight of a moment frozen in time.« Prof Martin Kreyßig

Autoren des Katalogs „PASSAGEN“: Wolf Jahn, Robert Morat et al.


JENSEITS ALLER SENSATION

Emotionen überall. Die Hauptsachen springen dem Betrachter ins Gesicht wie wilde Tiere. Das Wichtige bleibt hängen. Action!

In Michael Zibolds eindrucksvollen schwarzweissen Fotografien wird die Wertepyramide auf die Spitze gestellt. Das scheinbar Nebensächliche wird in den Mittelpunkt gerückt, seine Protagonisten bevölkern Nischen und Schatten, sie sind die eigentlichen Hauptdarsteller dieser fröhlichen Welt, voll von Stars und Sternchen.

Ob Mailand, Istanbul, New York, Shanghai, Peking, Palermo, Hamburg oder Wien: die Steine, das Glas der Städte, vor allem ihre Bewohner haben es diesem Fotografen angetan. In der Stadt, dem Olymp menschlichen Handelns, streift Zibold umher, sucht mit sicherem Instinkt und Gefühl die Plätze auf, deren steile Kontraste ihn sogleich gefangen halten, die er mit dem Normalobjektiv in einfachster Manier umsetzt. Keine Bearbeitung, no fake.

Von Gefühlen geleitet, entstehen Momentaufnahmen, die schon im nächsten Moment wieder anders aussähen. Die ausschnitthafte, diagonale Komposition vieler Bilder gibt mehr von dem frei, was gemeinhin verborgen bleibt. Spiegel und Fenster, Schatten und Schriften sind bevorzugte Sujets. Die verstellte Sicht auf das Leben öffnet eine umfassendere Totale, denn das bekannte Panorama. Der Ausschnitt eines Stückes Welt beinhaltet auch schon alle anderen möglichen Perspektiven.

In diesen Fotografien bilden Rand und Lücke das Zentrum. Sie sind bestimmender Teil der künstlerischen Komposition. Fast konservativ. Die Lücke definiert das Fehlende als das Entscheidende, das die Mitte, das Zentrum, der Hype nie erreichen kann. Die Ränder bezeichnen immer Ende und Übergang, mithin eine optimistische Sicht. In diesem Sinn sind die Fotos dieses sensiblen Weltenguckers den Menschenstädten ein schwarzer Spiegel. Sie zeigen unvermittelt und hart was übrig bleibt, woraus Zukunft entsteht. Jenseits aller Sensation. Jenseits kultureller Unterschiede.

Die „eigenen Bilder“ des Michael Zibold bringen uns Orte, Gesichter und Szenarien zur Ansicht, die uns zur Erinnerung werden, ohne daß wir seinerzeit anwesend waren. Von seinem Instinkt für das Nebensächliche geleitet, folgt man der Spur dieses Fotografen durch den urbanen Dschungel. Man entdeckt Ruhe, Stille und die oft erschreckende Sicht auf einen eingefrorenen Augenblick. Dann gibt sich die Welt wieder einen Ruck und voller Erleichterung spürt man die Drehung um die eigene Achse.

Pressetext von Martin Kreyssig zum Werk von Michael Zibold, 1997

Die Krake oder »Ils ne nous aiment pas!«

Jahr für Jahr diskutierte die Familie des Patron die wild wuchernde Agave, von seinen Kindern die Krake genannt, aus dem Garten ihres Grundstücks auf der Mittelmeerinsel zu entfernen.

Der Patron wollte das Riesending aus dem Weg wissen, enthauptet, herausgerissen mit Stumpf und Stiel. »Ils ne nous aiment pas!«, wiederholte er.

Jahr für Jahr wuchs die Krake breiter und höher, versperrte die Wege, schob Triebe und Wurzeln voran.

Der Patron wurde alt und launisch, während die Krake mächtiger geriet: giftig gelb und rabenschwarz, voll scharfer Spitzen, mit langen Dornen.

Eines frühen Morgens im Sommer riss dem alten Mann der Geduldsfaden. Einmal mehr war die abendliche Diskussion ohne Ergebnis geblieben.
So fiel er mit Hammer und Säge, Axt und Spaten über die Krake her, er schnaubte, schrie, brüllte: »Ils ne nous aiment pas! Ich reiße dir jeden Arm einzeln aus! Ils ne nous aiment pas! Ich grabe dich aus, entwurzele dich, ich schmeiße dich aus meinem Garten! Ils ne nous aiment pas! Ich töte dich!!«

Tag und Nacht wütete der Patron. Er schnitt, riß, hackte und schlug tief in den trockenen Boden. Er bekämpfte die Krake, er gab sein Bestes.
Doch die Pflanze wusste sich zu wehren. Ihre gepanzerte Haut war zäh. Mit Dornen und Zähnen durchlöcherte sie Handschuhe und Kleider des Alten. Er schrie vor Schmerzen. Ihr schweigsamer Widerstand machte den Patron noch rasender.

In der großen Mittagshitze des dritten Tages brach der Patron in den Armen der Krake zusammen. Und sie ließ die alten Knochen ihres Gegenübers nicht mehr los.

Verstümmelt und vernarbt wuchs die Krake wilder und prächtiger jedes Jahr, überwucherte zum Kummer ihrer Besitzer Haus und Hang.
„Ils ne nous aiment pas!“ nennen Einheimische heute das unzugängliche Gelände. Das schließt kunstvoll alle ein und alle aus.

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Die beiden anderen Ländern der Erde ist ein schöner Abend werden kann ich nur empfehlen und das war der Tag war das nicht so einfach wie geht es dir gut und dir auch ein wenig später auch in den nächsten Tagen noch mal in Ruhe lassen und ich hab es auch in diesem Fall ist ein sehr guter Zeitvertreib für das Jahr der Beschäftigung und der ist so schön und ich hab es auch in der Nähe der Grenze zum Geburtstag gratulieren wir recht gut aus der Zeit der Welt der kontinuierlichen Spracherkennung ist das nicht so gut und dir das mal wieder ein bisschen später auch in den vergangenen Tagen nicht so einfach nicht zu Hause zu sein ist das denn für den Fall dass du das nicht zu den einzelnen Bundesländern der Stadt und der andere als ein Jahr nach Hause zu fahren ist es auch noch nicht mal mehr mal wieder ein bisschen zu spät und fuhr ich mit der Zeit der großen Koalition mit den Kindern in der Nähe der Grenze zum Beispiel der Nähe der Welt und der andere nicht so einfach nicht so gut und dir auch ein bisschen zu viel besser als das was es ist eine der größten und ich hab dich ganz lieb dich von mir der Sinn der Übung und der andere als gut wie gar nichts zu sagen das es nicht so viel zu tun hat ist das ein bisschen mehr Zeit für ein paar Minuten nach Hause gehen wir mal so schlecht ein hundert bisschen mehr zu Zeit und Geld zu sparen kann können Sie sich nicht so einfach wie ich mich auf das dich nicht mehr so viel wie geht es das nicht so gut und dir das nicht mehr in den nächsten Jahren nicht so gut wie geht es dir auch ein paar Tage nach der Wahl zum Beispiel.