Etwas – Herbert Schuldt

Etwas © Herbert Schuldt, Hamburger Kunsthalle, Martin Kreyssig 2006

Videofilm von Martin Kreyssig, 2006, Länge: 10:40 Min, im Auftrag der Hamburger Kunsthalle.

Etwas / Schuldt / nichts / Hamburger Kunsthalle / Martin Kreyßig
Etwas © Herbert Schuldt, Hamburger Kunsthalle, Martin Kreyßig 2006

Text von Herbert Schuldt:

»Die Internationale Ausstellung von nichts fand im Juli 1960 in Hamburg statt, zwei Jahre vor George Macuias‘ Fluxus.

1960 gab es einen klar erkennbaren Kunstbegriff. Da war es einfach, sich außerhalb der Kunst zu stellen. Zu zeigen, daß der Apparat auch ganz ohne Kunst tadellos funktionierte.

Die Sachen stammten aus dem Laden oder wurden anonym angefertigt, nicht von Künstlern. Signiert haben Straßenpassanten. 

Die Ausstellung lief nur eine Woche. In diesen sieben Tagen wurde sie aus Protest dreimal zerstört. 

Ein Material wird soweit zum Kunstwerk vorbereitet, daß es nichts anderes mehr werden kann; aber gerade an dem Punkt, wo Kunst hinzuträte oder einträte, wird der Vorgang abgebrochen. 

Beispiel Gemälde: die Leinwand auf Keilrahmen, grundiert, kommt als Schneuztuch oder Gardine nicht mehr in Frage, aber Kunst ist keine draufgemalt. Das Werk ist beides nicht.

Hier steht eine Rekonstruktion. Neu könnte man das heute nicht so machen, und vielleicht überhaupt nicht. Die Grenzen der Kunst zu überschreiten hatte man vor nichts schon angefangen, und seither nicht mehr aufgehört. Die Horden der Überschreiter sind in zentrifugale Fernen entschunden. Niemand wüßte sich noch irgendwo außerhalb der Kunst zu stellen.«

Etwas / Schuldt / nichts / Hamburger Kunsthalle / Frank Barth / Martin Kreyßig
Etwas © Herbert Schuldt, Hamburger Kunsthalle, Martin Kreyßig 2006

Manifest gegen nichts 1960

Manifest gegen nichts für die Internationale Ausstellung von nichts

Repräsentativ für Avangardismus, Konventionalismus, Modernismus, Konservatismus, Kommunismus, Kapitalismus, Patriotismus, Internationalismus, Monochromie, Monotonie, Zen, Surrealismus, Dadaismus, Lettrismus, Informel, Konstruktivismus, Neoplastizismus, Tachismus.

Ein Gemälde ist fast so wertvoll wie kein Gemälde
Eine Skulptur ist fast so gut wie keine Skulptur
Eine Maschine ist fast so schön wie keine Maschine
Musik ist fast so angenehm wie keine Musik
Lärm ist fast so angenehm wie kein Lärm
Kein Kunsthandel ist fast so zweckmäßig wie Kunsthandel
Etwas ist fast nichts (= kein etwas)

Carl Laszlo, Basel
Onorio, Basel
Rolf Fenkart, Basel
Bazon Brock, Itzehoe
Herbert Schuldt, Hamburg
Piero Manzoni, Mailand
Enrico Castellani, Mailand
Heinz Mack, Düsseldorf
Otto Piene, Düsseldorf

Verkauft wird nichts, numeriert und signiert.
Preisliste liegt aus.
Zur Eröffnung spricht niemand.

Manifeste contre rien pour l’exposition internationale de rien

Représentative de l’Avantgardisme, du Conventionalisme, du Modernisme, du Conservatisme, du Communisme, du Capitalisme, du Patriotisme, de l’Internationalisme, de la Monochromie, de la Monotonie, du Zen, du Surréalisme, du Dadaisme, du Lettrisme, de l’Informel, du Constructivisme, du Neoplasticisme et du Tachisme.

Une toile vaut presqu’autant que pas de toile
Une sculpture est presqu’aussi bonne que pas de sculpture
Une machine est presqu’aussi belle que pas de machine
La musique est presqu’aussi agréable que pas de musique
Le bruit est presqu’aussi agréable que pas de bruit
Pas de marché d’art est presqu’aussi fructueux que le marché de l’art.
Quelque chose est presque rien (= non quelque chose)

Carl Laszlo, Bâle
Onorio, Bâle
Rolf Fenkart, Bâle
Bazon Brock, Itzehoe
Herbert Schuldt, Hamburg
Piero Manzoni, Milan
Enrico Castellani, Milan
Heinz Mack, Düsseldorf
Otto Piene, Düsseldorf

Vente de rien, numérote et signé.
La liste des prix est disponible.
Au vernissage prendra la parole personne.
Dans ce carton aucune reproduction de rien.

Manifesto contra niente per l’esposizione internationale di niente

Rappresentativa dell’Avanguardismo, del Convenzionalismo, del Modernismo, del Conservatorismo, del Communismo, del Capitalismo, del Patriotismo, dell’Internazionalismo, della Monocromia, della Monotonia, delle Zen, del Surrealismo, del Dadaismo, del Lettrismo, del’Informale, del Construttivismo, del Neoplasticismo e del Tachismo.

Una tela vale quasi quanto nessuna tela
Una scultura è buona quasi quanto nessuna scultura
Una machina è bella quasi quanto nessuna machina
La musica è piacevole quasi quanto nessuna musica
Il rumore è piacevole quasi quanto nessun rumore
Nessun mercato d’arte è fruttuoso quasi quanto il mercato d’arte
Qualque cosa è quasi niente (nessuna cosa)

Carl Laszlo, Basilea
Onorio, Basilea
Rolf Fenkart, Basilea
Bazon Brock, Itzehoe
Herbert Schuldt, Hamburgo
Piero Manzoni, Milano
Enrico Castellani, Milano
Heinz Mack, Düsseldorf
Otto Piene, Düsseldorf

Vendita di niente, numerato e firmato.
La lista dei prezzi è a disposizione del pubblico.
All’inaugurazione non prenderà la parola nessuno.
Su questo catalogo non è riprodotto niente.

[Quelle: Webseite Bazon Brock]